Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 10°C
Vorschriften

Dichtheitsprüfung - Kein Durchblick im Kanal

09.01.2012 | 18:25 Uhr
Dichtheitsprüfung - Kein Durchblick im Kanal
Noch steht die Entscheidung des NRW-Umweltministeriums zum Thema Dichtheitsprüfung von Kanal-Hausanschlüssen aus.

Gelsenkirchen.  Bei der Dichtheitsprüfung für Kanal-Hausanschlüsse heißt es: Warten auf die NRW-Entscheidung des Umweltministeriums. Fachfirmen fürchten derweil Fehlinvestitionen in Millionenhöhe.

„Noch ganz dicht?“ oder „Ein bisschen Druck muss sein“ – so werben seit Jahren die einschlägigen Unternehmen auch in Gelsenkirchen für die Kanaldichte-Prüfungen, mit denen Umweltfolgen leckender Rohrleitungen eingedämmt werden sollen. Fest gesetzlich verankert schien sie, die Umsetzung letztlich nur eine Frage der Zeit.

Acht „Sachkundige für Dichtheitsprüfung privater Hausanschlüsse “ führt z. B. das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz für Gelsenkirchen auf seiner Internetseite auf. In einer Branche, in der sich auch zahlreiche zumindest „graue“ Schafe tummeln und in der Vergangenheit immer wieder vor dubiosen Firmen und übereilten Haustürabschlüssen gewarnt wurde, schienen die so geadelten Fachfirmen zumindest vor einer soliden wirtschaftlichen Zukunft zu stehen. Schließlich harrten Tausende potenzielle Kunden zwangsweise auf ihre Dienste, um lecke Kanalrohre diagnostizieren und dann dichten zu lassen. In NRW gibt es bis zu 4 Mio private Hausanschlüsse, bis zu 60%, heißt es, seien defekt oder entsprächen nicht mehr den technischen und gesetzlichen Anforderungen.

Umsetzung des Gesetzes ausgesetzt

Die Politik ruderte bekanntlich Ende 2011 zurück, setzte die Umsetzung des Gesetzes aus. Die Frist Ende 2015 scheint mehr als fraglich. Sollte die „gesetzliche Grundlage für die Kanalprüfungen wie geplant aufgeweicht und insbesondere die Prüfungspflichten in die Zukunft verschoben oder gar ganz aufgehoben werden, erwarten Branchenvertreter „eine Pleitewelle kleiner Kanalfirmen“ und Fehlinvestitionen von 300 Mio Euro für technisches Equipment und die Spezialausbildung von rund 2800 zertifizierten Sachkundigen.

Entsprechend werfen die Betriebe „Gegnern der Prüfpflicht Unehrlichkeit und parteipolitische Heuchelei vor, um Wählerstimmen zu gewinnen, zumal die Gegner noch vor nur sechs Monaten für die Dichtheitsprüfungen waren“, so Dieter Theis. Der Bochumer verbreitet für seinen Kanalservice NRW ein Pro und Contra zur Prüfungspflicht. Dass die Pro-Position mit sechs Seiten deutlich umfangreicher als die auf einer Seite aufgelisteten Contra-Argumente ausfällt, hat wohl auch durchaus mit Interessenlagen zu tun.

Häufigste Fragen auf Internetseite zusammen gefasst

Bei Gelsenkanal hat man die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema längst auf einer Internetseite zusammen gefasst, zudem gibt es einen aufschlussreichen Info-Flyer für Hauseigentümer. Ansonsten sieht man dort derzeit keinen aktuellen Handlungsbedarf. „Eine Satzung haben wir in Gelsenkirchen bislang nur für Haushalte in Wasserschutzgebieten. Und da wird sich wohl nichts an der Prüfpflicht (bis 12/2014) ändern. Aber das betrifft auch nur 122 Häuser in Scholven. Die sind von uns separat angeschrieben worden“, sagt Joachim Weise, Abteilungsleiter für die Kanalunterhaltung.

Und die rund 40 000 weiteren Haushalte? „Für die gilt noch die alte Regelung. Aber insgesamt denken wir über eine Fristverlängerung bis 2023 nach und warten in aller Seelenruhe ab, ob das Umweltministerium im Januar sagt, wo es hingeht.“

Auch bei der GGW wartet man auf den Ausgang der neuerlichen Meinungsbildung. „Bislang haben wir nicht flächendeckend geprüft und saniert, sondern sind dort bei unseren Hausanschlüssen tätig geworden, wo Gelsenkanal seine Leitungen saniert hat“, sagt Geschäftsführer Harald Förster. Bei der Wohnungsbaugesellschaft hatte man „früh den Eindruck, dass die Diskussion noch offen ist“ und wartet nun „die Entwicklung ab“. Bleibt’s wie gehabt bei der Prüfpflicht, hat die GGW jedenfalls Geld zurückgestellt.

Jörn Stender

Facebook
 
Kommentare
10.01.2012
21:56
Dichtheitsprüfung - Kein Durchblick im Kanal
von tagesschau | #1

Eine bürokratische Abzocke. Mieten werden dadurch steigen - unbezahlbar.
Vor allem die Grünen wollen ihre Partei-Ideologie durchsetzen.
Was kommt als nächstes?
...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6230679/create

Aktuelle Fotos und Videos
40 Jahre Maritim
Bildgalerie
Hotel
Eine echte Gaudi
Bildgalerie
Schützenfest
Drachenwetter auf Consol
Bildgalerie
Himmelsstürmer
Rock Hard in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
Aus dem Ressort
Vor 2021 wird Gelsenkirchen den Haushalt nicht ausgleichen
Stärkungspakt
Von 2014 bis 2018 wird die Stadt Gelsenkirchen jährlich gut 25 Millionen Euro zusätzlich aus Düsseldorf erhalten, dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sein Dank. Aber die Summe der Kassenkredite wird steigen, bis die Stadt es schafft, den Haushalt aus eigener Kraft auszugleichen – also nicht vor 2021.
Farfan im Visier - Einbrecherbande muss lange ins Gefängnis
Prozesse
Fleischgroßhändler und Weinlager hatten sie jahrelang leer geräumt, nun müssen sie mit karger Gefängniskost vorlieb nehmen. Das Landgericht Essen verurteilte vier Angeklagte aus Bottrop und Gelsenkirchen wegen schweren Bandendiebstahls in mehreren Fällen zu bis zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.