DGB: Absolventenquote an der Westfälischen Hochschule ist zu niedrig

Prof. Bernd Kriegesmann ist der Präsident der Westfälischen Hochschule.
Prof. Bernd Kriegesmann ist der Präsident der Westfälischen Hochschule.
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Was wir bereits wissen
Dr. Josef Hülsdünker, DGB-Vorsitzender der Region Emscher-Lippe und Mitglied im Hochschulrat, vertritt die Auffassung, dass die Absolventenquote an der WH zu niedrig ist.

Gelsenkirchen.. Scheitern zu viele Studierende an der Westfälischen Hochschule (WH)? Dr. Josef Hülsdünker, DGB-Vorsitzender der Region Emscher-Lippe und Mitglied im Hochschulrat, vertritt diese Auffassung: „Es gibt Studienfächer im naturwissenschaftlichen Bereich, in der Ingenieurausbildung, da liegt die Absolventenquote unter 10 Prozent. Das ist deutlich zu niedrig, auch im Vergleich zu anderen Hochschulen im Ruhrgebiet. Da entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden, der bedenklich ist.“

Für Hülsdünker kommt an dieser Stelle gerade recht, dass Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland ein Prämienmodell einrichtet, das stark auf den Studienerfolg ausgerichtet ist. Die Gelder aus dem Hochschulpakt III (Zeitraum 2016 bis 2023) werden zu einem großen Anteil erfolgsbezogen an die Hochschulen ausbezahlt. Die erhalten statt bisher 20.000 künftig nur noch eine Prämie von 18.000 Euro für jeden Studienanfänger sowie weitere 4000 Euro, wenn die Studierenden ihr Erststudium abschließen.

Neue Kopfprämie als Hilfe

„Wir haben in der Vergangenheit die Talentförderung an der WH positiv bewertet. Ich benutze mal zur Erklärung ein Bild. Künftig ist es nicht nur wichtig, was am Staubsaugerrohr angesaugt wird, also die Zahl der Erstsemester, sondern auch das, was hinten rauskommt. Die Absolventen, für die es mehr Geld gibt. Es darf also nicht mehr so viel im Beutel hängenbleiben, wenn eine Hochschule finanziell auskömmlich ausgestattet sein möchte“, so der DGB-Vorsitzende.

Ein Weckruf des DGB

Im Jahr 2011 starteten an der WH 2750 Studierende. Legt man die Regelstudienzeit von sechs Semestern zu Grunde, ist die Absolventenzahl aus 2014 bedenklich: 984 Frauen und Männer schlossen ihr Studium ab, davon nur 221 in der Regelstudienzeit. Für Hülsdünker steht fest: „Wir müssen jetzt beobachten, wie es weitergeht. In 2014 meldeten sich in Gelsenkirchen 2597 Studierende an. Die Zahl ist also annähernd konstant.“

Viele Fördermaßnahmen für Studierende

Grundsätzlich ist WH-Präsident Prof. Bernd Kriegesmann von den Positionen des DGB-Vorsitzenden nicht weit entfernt: „Mit unserer Absolventenquote sind wir unzufrieden. Das kann und muss besser werden.“ Eine andere Auffassung aber vertritt er, wenn es um die statistischen Werte geht: „Die sind nicht korrekt, weil man die Ursachen der Exmatrikulationen nicht kennt. Wenn etwa ein Student die Hochschule wechselt, ist er kein Abbrecher.“ An der WH gebe es viele Fördermaßnahmen für Studierende, so Kriegesmann. Weitere Verbesserungen seien geplant, etwa eine individualisierte Regelstudienzeit, um den Bachelor nicht in sechs, sondern in acht Semestern zu machen.

Hülsdünker findet, „dass der Lehrbetrieb studien- und erfolgsorientierter werden muss“. Da könne die neue Kopfprämie der NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) eine Hilfe sein.