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Detlev Kmuche gab den Tipp

09.07.2007 | 21:49 Uhr

Familie Mihrmeister wurde nach vielen Jahren auf den Beerdigungsort eines Verwandten aufmerksam gemacht. Suchprojekt von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Berger Feld

Es war der Geburtstag seiner Frau Anne. Die ganze Familie saß zusammen, als sich am Telefon ein Herr Kmuche meldete. Ob ihm, Klaus Mihrmeister, der Name Paul Mihrmeister etwas sage? "Ja, das war mein Onkel", antwortete der 64-Jährige völlig überrascht. Gefallen 1917 als Leutnant im Ersten Weltkrieg.

So beginnt eine Geschichte, durch die eine Gelsenkirchener Familie auf das Grab eines engen Verwandten aufmerksam wurde, das 90 Jahre lang als unbekannt galt. In Frankreich, so ein Vermerk im Familienbuch, habe der junge Soldat seine letzte Ruhestätte gefunden. Eine falsche Information, die Anrufer Detlev Kmuche korrigieren musste. Der wahre Bestattungsort: Block B, Grab 12496, auf dem belgischen Friedhof Langemarck.

Ein Zufall war es, der den Lehrer auf die Mihrmeisters aufmerksam gemacht hatte: Seit Jahren schon arbeitet er mit Kollegen und Schülern der Gesamtschule Berger Feld sowie einer Schule im Ypern/Belgien an einem Friedensprojekt zum Ersten Weltkrieg, das sich um Aussöhnung und Verständigung unter den Völkern bemüht. Teil des Projekts ist die Teilnahme an einer jährlichen Gedenkfeier. So auch im November 2006. "Wunsch der Belgier war es, eine solche Feier mal am Grab eines deutschen Soldaten zu machen", erinnert sich Kmuche. Eines Gelsenkirchener Soldaten.

"Bei 40 000 Namen muss es doch eine Schnittmenge geben", dachte er sich und begann mit einer intensiven Recherche. Er verglich Listen des Deutschen Roten Kreuzes, der Kriegsgräberfürsorge. "Auf das entscheidende Material bin ich allerdings bei einer Ausstellung der Volkshochschule zum Ersten Weltkrieg gestoßen", erzählt der Lehrer für Englisch und Sport. Und gerade, als es so aussah, als würde er keinen Gelsenkirchener finden, der in Langemarck begraben ist, tauchte der Name Paul Mihrmeister auf. Ein Lehrer - wie er.

1914 hatte Mihrmeister seinen Dienst an der Melanchthon-Schule in Hessler angetreten. 1915 wurde er jedoch zum Heeresdienst einberufen, von dem er nicht zurückkam. Paul Mihrmeister starb mit 26 Jahren.

"Mit das Erste, wonach ich gefragt habe, war: Können Sie mir ein Foto von Ihrem Onkel zeigen?", erinnert sich Kmuche an die Kontaktaufnahme mit der Familie. Die Mihrmeisters, inzwischen selbst in die Geschichte eingetaucht, suchten - und wurden fündig. Alte schwarz-weiß Aufnahmen gaben dem Gestorbenen nun auch ein Gesicht. Eines, mit dem sich auch die Schüler der Gesamtschule beschäftigten, und das auf eine ganz andere Art, als wenn es sich um einen anonymen Toten gehandelt hätte. "Die Auseinandersetzung mit Einzelschicksalen löst immer emotionale Betroffenheit aus", weiß Lehrer Kmuche.

Entsprechend fiel auch die Gedenkfeier an Paul Mihrmeisters Grab aus, bei der deutsche und belgische Schüler eine Rede hielten. Familie Mihrmeister hatte einen Kranz mit nach Belgien geschickt. Erst einige Monate später standen Klaus und seine Frau Anne dann selbst dort.

Was Klaus Mihrmeister am Grab seines Onkels empfunden hat? Ihm fehlen immer noch die Worte. Nur eines, bevor seine Augen sich mit Wasser füllen: Ein sehr bewegender Moment sei es gewesen. Er blickt auf die Bilder, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Bilder, die eine Verbindung zur Vergangenheit darstellen - und gleichzeitig so eng mit der Gegenwart verbunden sind.

Von Nina Jebbink

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