Der Weg darf nicht in die Frustration führen

Abel findet die Arbeit am künstlichen Haar interessant. Doch der 11-Jährige möchte dennoch lieber Fußballer werden. 20 Schüler der Internationalen Förderklasse der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen lernten zur Berufsorientierung verschiedene Werkstätten in der Krerishandwerkerschaft in Gelsenkirchen kennen.
Abel findet die Arbeit am künstlichen Haar interessant. Doch der 11-Jährige möchte dennoch lieber Fußballer werden. 20 Schüler der Internationalen Förderklasse der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen lernten zur Berufsorientierung verschiedene Werkstätten in der Krerishandwerkerschaft in Gelsenkirchen kennen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Georg Altenkamp, Schulleiter der Gesamtschule Bergerfeld in Gelsenkirchen, fordert Mittel für die Integrationsförderung von Armutsflüchtlingen. Schüler lernten in der Kreishandwerkerschaft Ausbildungsberufe kennen.

Gelsenkirchen.. Elisabetha betrachtet sich im Spiegel und lässt sich von Schwester Eva die Haare kämmen. Sie kann sich vorstellen, später selbst zu Schere, Glockenstab und Bürste zu greifen. Elisabetha ist 14 und besucht die Internationale Förderklasse (IFÖ) in der Gesamtschule Bergerfeld. Gemeinsam mit etwa 20 Mitschülern erhielten junge Rumäninnen und Rumänen gestern in den Lehrwerkstätten der Kreishandwerkerschaft Einblicke in die Berufswelt.

Die Armutsflüchtlinge, von denen einige schon erstaunlich gut Deutsch sprechen, sollen durch die Berufsorientierung rechtzeitig vorbereitet werden auf die zukünftige Arbeitswelt, die nach der Schule auf sie wartet. Für einige der Schüler ist der Weg nicht mehr weit. In den beiden Förderklassen sind die Schüler zwischen 11 und 17 Jahre alt. Schulleiter Georg Altenkamp will den Schülern nach der Flucht aus der Heimat ein Gefühl der Hoffnung und Perspektive geben. „Ich möchte den jungen Zuwanderern aufzeigen, dass sie hier willkommen sind und ihre Zukunft nicht in Arbeitslosigkeit enden darf.“

Ein Musterbeispiel für Integration

Beim Besuch in der Kreishandwerkerschaft bekommen die Schüler erste Einblicke in verschiedene Berufsbilder. Bei der Metallverarbeitung beobachten sie nicht nur Auszubildende bei der Bearbeitung eines Werkstücks, sie dürfen das zukünftige Produkt, ein Geländer aus Edelstahl, auch anfassen. Einigen kommt der Arbeitsablauf bekannt vor, die Väter arbeiten in ähnlichen Berufen.

Im Bereich Heizung/Sanitär demonstriert Ausbilder Jörg Wißing, wie Kupferrohre beim Löten miteinander verbunden werden. Ob „wir das in der Schule weiter vertiefen sollen“, will Georg Altenkamp wissen. Sie wollen, versichert Dolmetscher Denis. Der 12-Jährige scheint ein Musterbeispiel dafür zu sein, wie Integration funktionieren kann. Er ist nicht nur ein perfekter Dolmetscher, sondern hat seinen Beruf bereits geplant. Er will sich nach dem Schulabschluss bei der Polizei bewerben und danach in einer Antiterror-Gruppe arbeiten.

Zusätzliche Mittel fehlen

Der Holzgeruch verrät den Arbeitsbereich der Tischler. Die Gruppe lernt Hobel, Stecheisen und Holzhammer kennen. Geschickt geht Ionel (15) mit der Säge um. Er kennt die Arbeit zwar aus Rumänien, doch seine berufliche Zukunft kennt er noch nicht. Im Friseur-Mustersalon nehmen Jungen und Mädchen Glockenstäbe, Fön und Glätteisen in die Hand und knöpfen sich künstliche wie auch die eigene Haarpracht vor.

Angetan von der Lernbereitschaft, dem respektvollen Verhalten und der Höflichkeit ihrer Schüler sind die beiden Lehrer der Förderklassen, Cemile Negüzel und Halan Baskurt. Georg Altenkamp gibt bei allem Engagement zu bedenken, dass zusätzliche Mittel für die Integrationsförderung der Schüler fehlen. Für Politik wie auch für Verbände sei es eine sozialpolitische Aufgabe, sichere Wege für eine Orientierung und eine Berufsausbildung bis hin zum Studium zu finden. „Wir müssen motivierende Einstiege schaffen, der Weg darf nicht in die Frustration führen.“