Der Sumpf muss trocken gelegt werden

Es kommentiert: Friedhelm Pothoff.
Es kommentiert: Friedhelm Pothoff.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Skandal um die freigestellten Gelsenkirchener Jugendamtsleiter Alfons Wissmann und Thomas Frings ist unglaublich.

Gelsenkirchen.. Der Skandal um die freigestellten Jugendamtsleiter Alfons Wissmann und Thomas Frings ist unglaublich. Mit welcher Energie die beiden in Gelsenkirchen und im ungarischen Pecs ein System, nahezu konspirativ, aufgebaut haben, ist mit kriminell treffend beschrieben. Sie haben ihr spezielles Fachwissen und berufliche Beziehungen genutzt, etwa zum St. Josef-Heim und zum Kinderschutzbund, um mit dem Geschäftsmodell Jugendhilfe privat Kasse zu machen.

Ein Fehler im System

Damit offenbart sich ein Fehler im System. Das sieht keine Kontrolle von Heimen, sondern nur Beratungen durch das Landesjugendamt vor, wenn die Betriebserlaubnis einmal erteilt ist. Bei den Summen, die im Spiel sind, erscheint der Gutglaube von Behörden erstaunlich. Da zahlte das Gladbecker Jugendamt für Maßnahmen zwischen 130 und 310 Euro am Tag. An Neustart via Buchhalter Kinderschutzbund für die Betreuung von fünf Kindern in Summe zwischen 350.000 und 400.000 Euro. Eine andere negative Auswirkung nicht vorhandener Kontrollen: Das Landesjugendamt wurde von Gruppenüberbelegungen in St. Josef in den Jahren 2007 und 2008 nicht informiert, was aber vorgeschrieben ist. Von der in 2013 erfuhr es nur durch die Anzeige eines Dritten. Die Freistellung der Heimleiterin Anja Gersch durch den Träger St. Augustinus Heime GmbH ist nachvollziehbar. Dass niemand bei Augustinus in der betreffenden Zeit den Neustart-Flyer gesehen haben will, erscheint wenig glaubhaft.

Die richtige Reaktion

Dass die Stadt Gelsenkirchen Wissmann und Frings schnellstens freistellte, war die einzig richtige Reaktion auf die Anschuldigen aus dem Bericht des ARD-Magazins Monitor. Damit ist der komplizierte Teil dieses Skandals angeführt. Denn was moralisch klar verwerflich ist, muss nicht zwingend justiziabel sein. Der Blick auf die Jahreszahlen, in denen Wissmann und Frings in Ungarn aktiv waren, lassen erahnen, dass der Staatsanwaltschaft Essen an dieser Stelle die Hände gebunden sein könnten (Verjährung). Sie fordert offen dazu auf, ihr Material zuzusenden. Daraus darf man schließen, dass sie Verfehlungen jüngeren Datums benötigt, um eine strafrechtliche Relevanz in der Sache festzustellen.

Bei einem Gespräch in der Stadt fiel in dem Skandal-Zusammenhang das Wort „Gelsensumpf“. Und dass der trocken gelegt werden müsse.

Stimmt!