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Der Pfeifendoktor

08.12.2009 | 05:00 Uhr

Martin ter Haseborg verarztet zurzeit die Führer-Orgel in der Paulus-Kirche in Bulmke. Diagnose: „Kein Herzinfarkt”

Foto: Martin Möller

2066 Pfeifen, die kleinste ein paar Millimeter, die größte über fünf Meter lang: Die Führer-Orgel ist für Martin ter Haseborg kein einfacher Patient, wiewohl, der Pfeifendoktor kennt sich aus. Denn eigentlich ist er ja kein Pfeifendoktor, sondern Orgelbaumeister, der sein Handwerk beim Erbauer besagter Orgel persönlich gelernt hat, und der jetzt mit Werkzeugkoffern, Putzzeug und drei Mitarbeitern angereist ist aus Ostfriesland, um das über 40 Jahre alten Lieblingsstück der Evangelischen Kirchengemeinde Bulmke in Schuss zu bringen.

Wie muss man sich das also vorstellen? „Wir haben jede Pfeife ausgebaut und einzeln gereinigt”, erklärt Kreiskantor Matthias Müller, mit einem Kompressor, und, ja, „die kleinen Pfeifen auch mit dem Mund”. Posaunenpfeifen, Trompetenpfeifen, Krummhörnerpfeifen, pust pust pust - da kommt man schon beim Schreiben ganz außer Atem. Dabei, sagt Müller, sei das nichtmal das eigentliche Problem. „Was uns wirklich zu schaffen gemacht hat, war der Schimmel.” Weil nicht genug Luft in den Orgelbauch gelangen konnte, hat der eben zugeschlagen. Auf den Pfeifen, in den Ventilen, in den Dichtungen, rund um die Plastikschläuche, in den Ecken und Ritzen. . . „Wir haben hier Schimmel eimerweise rausgeholt.” Mit der Leiter ins Innenleben des fünf mal fünf mal drei Meter großen Instrumentes: Klettern gehört für Martin ter Haseborg und Matthias Müller quasi zum Geschäft.

Die Orgel der evangelischen Pauluskirche in in Gelsenkirchen - Bulmke wurde in den letzten Wochen generalüberholt. Am Montag, dem 07.12.2009, testet Organist Matthias Müller am Spieltisch den Klang des Instruments. Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool / 07.12.2009

Und dann, nachdem die große Waschung erfolgt war, jede Pfeife und jede Schraube wieder an seinen Platz gesetzt: „Da muss man den Überblick behalten, hier lag ja alles rum.” Gutes Auge und gutes Ohr, denn bei aller Leidenschaft fürs Werkeln geht's am Ende doch um den Klang. Was die Sache nicht einfacher macht.

„Alle Pfeifen mussten neu gestimmt werden.” Pfeifen aus Holz, Pfeiffen aus Kupfer und Pfeifen aus Blei und Zinn. Ein Pfeifenhorn braucht's dafür, (und zwar für fast jede Pfeife ein anderes!), das in den Pfeifenkopf eingeführt wird und diesen entweder weitet oder enger macht. „Wenn sie das ne halbe Stunde mit dem dreigestrichenen G (extrem hoher Ton, Anm. der Red.) machen, kriegen Sie schlechte Laune”, lacht Matthias Müller. Wobei bei ihm selbst davon keine Rede sein kann. Denn der Assistent des Meisters, der gleichzeitig auch Kreiskantor in einer Gegend bei Magdeburg ist, lässt es sich nicht nehmen, zwischendurch immer auch mal wieder ein Liedchen zum Besten zu geben. „Da hört man dann genau, was noch nicht so sitzt.”

Seit einer Woche werkeln die Fachleute, in den nächsten Tagen steht der Feinschliff an. Wobei wir wieder bei der Musik wären. „Wir sind glücklich, dass die Orgel jetzt überholt wird”, freut sich Henning Disselhoff, Pfarrer der Gemeinde, zumal die Kirche eine wunderbare Akustik habe. „Jetzt können unsere Orgelkonzerte wieder richtig toll und rund klingen.”

Tina Bucek

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