Der Handel hält sich wacker

Legt irgendwer in dieser Republik die Messlatte an und vergleicht Städte miteinander, landet Gelsenkirchen ja viel häufiger als es den Menschen in dieser Stadt lieb sein dürfte, am Ende der Skala. Arbeitslosigkeit, Kaufkraft, Schulabbrecherquote, Ressourceneffizienz – die Rote Laterne scheint in vielen Fällen vorprogrammiert. Da tun andere Meldungen gut, wie die zum lokalen Handel. Die Gutachter haben die Zentren zur Fortschreibung des gesamtstädtischen Einzelhandelskonzepts unter die Lupe genommen. Die Bewertung ist recht erfreulich. Die Handelszentren in der Altstadt und Buer funktionieren weitgehend, die Nebenzentren in Erle, Scholven oder Rotthausen werden ihrer Funktion gerecht.


Gelsenkirchen, wird deutlich, hat sich auf diesem Feld recht gut behauptet, zeigt sich robust – und kannibalisiert sich nicht gegenseitig. Dass es nicht das eine, große, überstrahlende Einkaufszentrum gibt, hat hier mal deutliche Vorteile. Center-Magneten, die sich ja so viele Lokalpolitiker und Stadtplaner in der Vergangenheit reihum in so ziemlich jeder Stadt gewünscht (und realisiert) haben, haben ja eben auch entscheidende Nachteile: sie leiten Kundenströme ab, lenken sie um und ziehen eben oft nicht wie erhofft den etablierten Einzelhandel vor Ort mit hoch. Und manches Center wurde nach kurzer Blüte zum in Beton gegossenen Problemfall, der wie eine Bürde blieb. Aufgebaut in den aufstrebenden 1970er und 80igern, abgewirtschaftet in wenigen Jahren danach. Frag nach in Marl, in Duisburg, auch in Mülheim.


Klar gibt es Angebots-Defizite im Handel, dürfte bei Herrenkonfektion, Sport oder Freizeitartikeln durchaus mehr geboten werden, auch verzeichnen die Statistiker mit 10 Prozent eine recht hohe Leerstandsquote. Natürlich würden sich viele viel mehr wünschen: Auswahl wie in Düsseldorf zu Preisen wie in Gelsenkirchen halt. Aber, das wissen wir ja alle, das wird nix. Und mit unserem eigenen Kaufverhalten tragen wir dazu bei, dass der Inhaber-geführte Einzelhandel, den wir ja angeblich alle so schätzen, weiter ausblutet. So viel zur Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

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