„Der Gelsenkirchener Weg“

Die Inklusion führt zu Veränderungen in der Schullandschaft, der Klassen, der Kollegien. An der städtischen Bildungskonferenz zum Thema schulische Inklusion nahmen Wissenschaftler, Lehrer, Eltern, Schüler teil. Sie erfuhren, wie es läuft und wo es hapert.

Für den vor eineinhalb Jahren begonnenen Schulversuch zog Schulamtsdirektor Bernhard Südholt am Freitag im Hans-Sachs-Haus ein positives Fazit. Er schränkte allerdings ein, dass die anderthalbjährige Testphase alle an der Inklusion Beteiligten „sehr gefordert“ habe, vor allem wegen der von den Schulen eingeforderten „Verbindlichkeit“.

433 Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf werden im Schuljahr 2014/15 in Gelsenkirchen inklusiv beschult. Den sogenannten „Gelsenkirchener Weg“ zeichne u.a. aus, dass Qualität vor Quantität gehe und das Gemeinsame Lernen nicht ad hoc an allen Gelsenkirchener Schulen eingeführt habe. Die Stadt hatte sich bewusst für drei Modellregionen entschieden. Gemeinsames Lernen findet an Schulen in Bismarck, Erle und Horst statt. Weiterer Pluspunkt: In Gelsenkirchen beteiligen sich alle Schulformen an der Inklusion, auch Gymnasien. „Es werden keine Kräfte für Schulstrukturdebatten vergeudet“, so der Chefkoordinator in Sachen Gemeinsames Lernen. Dafür gab es Applaus aus dem Forum.

Die Erfahrungen, die man in den Modellregionen gemacht hat, werden auf die anderen Schulen in der Gesamtstadt übertragen, gab Südholt einen Ausblick auf die Entwicklung bis 2018. „Wir machen das schrittweise, lassen uns nicht jagen, aber wir verlangsamen auch nicht künstlich.“ Vor allem der Transfer in den südlichen Teil der Stadt mit Zuwanderern aus Südosteuropa und „Familien in sozial benachteiligten Lagen“ sei das eine nicht unerhebliche Aufgabe.

Nicht alles läuft rund

Dazu kam Kritik aus dem Auditorium. „Wir sind gut aufgestellt, aber nichtsdestotrotz haben wir bei der Konzeptentwicklung die Zuwanderung aus Südosteuropa ausgeschlossen“, so Robert Pescht von der Gesamtschule Horst. Der Prozess des Gemeinsamen Lernens dürfe nicht von einem anderen Prozess überlagert werden. „Ich bitte die Stadt, das zu berücksichtigen.“

Eine Teilnehmerin aus Gelsenkirchen berichtete, dass es an ihrer Schule jetzt zwei behindertengerechte Toiletten mit Rampen gebe, aber nicht eine behindertengerechte Schulklasse. Eine Mutter schilderte die Ängste ihres motorisch eingeschränkten Sohnes, an eine Schule mit 1500 Schülern zu wechseln. „Er will an seiner alten Schule bleiben.“