Der „Erlkönig“ entwirft ausgefallene Mode in Gelsenkirchen

Der Gelsenkirchener Daniel Brandt hat sich auf altertümliche Mode und ausgefallene Kostüme spezialisiert. In der Szene ist er als“der Erlkönig“ bekannt.
Der Gelsenkirchener Daniel Brandt hat sich auf altertümliche Mode und ausgefallene Kostüme spezialisiert. In der Szene ist er als“der Erlkönig“ bekannt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Karnevalsprinzen und Freizeit-Ritter, die das Besondere suchen, pilgern zum „Erlkönig“ Daniel Brandt in Gelsenkirchen – und lassen sich hier Kleider auf den Leib schneidern

Gelsenkirchen.. Was wohl kaum jemand weiß, auch Gelsenkirchen hat einen „Erlkönig“. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Figur aus Goethes Gedicht, sondern um Daniel Brandt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, besonders ausgefallene Kostüme und Kleidung zu designen, herzustellen und zu verkaufen.

Die Modemarke „Erlkönig“ besteht bereits seit 22 Jahren. In Brandts Räumen, einer ehemaligen Gaststätte („Die Taverne“) mitten in Bulmke, stellt der 47-Jährige zusammen mit der ausgebildeten Damenschneiderin Sabine Benninghoff und Urzula Pawlak historische Kostüme, aber auch Braut- und Abendmode sowie Kleidungsstücke für Gothikfans und der Erotikbranche her. Diese vertreibt er in ganz Deutschland, aber auch nach Australien, in die USA und nach Finnland.

Rund 200 Quadratmeter Verkaufsfläche

„Unsere Kostüme reichen vom Karnevalsprinzen bis zum römischen Muskelpanzer, aber auch der Wasser-Clown, das Maskottchenkostüm vom Sportparadies, wurde hier erstellt“ erklärt der Designer. Ebenso befinden sich Korsetts aus thermoplastischem Kunststoff und spezielle Kopfbedeckungen auf der rund 200 Quadratmeter großen Verkaufsfläche.

Doch wie kam der „Erlkönig“ zu der Idee, sich in diesem doch speziellen Bereich selbstständig zu machen? „1994 bewegten wir uns hauptsächlich in der Gothic-Szene. Es gab kaum Leute, die dafür Kleidung herstellten. Da meine Freundin ohnehin aus der Textilbranche kommt, dachten wir uns, machen wir doch unseren eigenen Laden auf“, erinnert sich Daniel Brandt. Gesagt, getan. Damit zählte das Paar nach eigener Aussage deutschlandweit zu den Ersten, die professionell historische Kleidung anfertigten. Mittlerweile wurden die Kostüme von Brandt, der Deutsch, Philosophie und Geschichte studiert hat, bereits mehrfach für Museen und kleine Filmproduktionen angefordert.

Leder und Samt werden verarbeitet

Als Materialien für seine künstlerischen Kostüme nutzt Brandt „Leder und Kunststoff, aber auch Samt und Seide sowie groben Leinen.“

Verarbeitet werden die Stoffe dann in den Räumlichkeiten, zu denen eine Näherei, eine Lederwerkstatt, eine Kunststoffwerkstatt sowie eine Bügelei und eine Stickerei gehören.

Der studierte Historiker hat so gut wie jedes altertümliche Kostüm vor dem inneren Auge. Detailliert kann er das kleinste modische Detail einer vergangenen Zeit beschreiben und auch zeichnen. Die künstlerische Arbeit war schon von klein auf ein Teil seines Lebens, bis heute entwickelt er verschiedene Designs, die er mit Bleistift, Kugelschreiber und Buntstiften locker in zehn Minuten aus der Hand schwingt. „Jeder Kunde bekommt einen persönlichen Entwurf“, erklärt der Künstler.

Die Anfertigung eines Kleidungstücks dauert etwa vier bis acht Wochen. „60 Prozent der Kostüme verwenden unsere Kunden für Mittelaltermärkte und Rollenspielveranstaltungen“, weiß der „Erlkönig“, der durch seine Kunden selbst ein Fan von Rollenspielen geworden ist.