Jubiläum
Der Ein-Frau-Verlag wird 35
20.08.2009 | 19:53 Uhr 2009-08-20T19:53:00+0200
Im August 1974 startete die Ückendorferin Irmgard Stein ihre "Edition Xylos". Seither entstehen in ihrem kleinen Büro Hefte und Bücher an einer Andruckpresse aus den 50er Jahren. Für viele Gelsenkirchener Lyriker war ihr Verlag ein erstes Sprungbrett.
35 Jahre alt wird die „Edition Xylos” in diesen Tagen – und Herausgeberin Irmgard Stein ist stolz auf ihren „Ein-Frau-Verlag”, der am 23. August 1974 an den Start ging und seit 1983 an der Bergmannstraße in Ückendorf zu finden ist.
Über 250 Bücher und zahlreiche Hefteditionen entstanden hier im Laufe der Jahre in Handarbeit. Kräftige Unterstützung erhielt die Herausgeberin dabei natürlich von ihrem Mann, dem Künstler Heinz Stein, dessen Holzschnitte viele der Druckerzeugnisse aus dem Hause illustrieren. „Xylos ist griechisch und bedeutet Holz. Dieser Name lag nahe, weil wir uns auf die Fahnen geschrieben hatten, keine Veröffentlichung ohne Holzschnitt herauszugeben”, erklärt Irmgard Stein.
Die geschnitzte Druckkunst gepaart mit Lyrik, Wortspielen und Geschichten: Das hob die „Edition Xylos” aus dem Wust von Presseerzeugnissen heraus. Von Ückendorf aus setzte der Verlag mit eigener An-druckpresse und historischer Schneidemaschine nicht nur bekannte Künstler wie Helmut Andreas Paul (HAP) Grieshaber, Alfred Pohl und Otto Pankok in Szene – hier erhielten auch junge Gelsenkirchener Künstler wie Michael Klaus, Werner Ryschawy (siehe Text unten), Heinz-Albert Heindrichs und Jürgen Völkert-Marten die Gelegenheit, ihre Werke zu veröffentlichen.
Und bereits 1975, ein Jahr nach Verlagsgründung, erschienen die ersten „Grafisch-Literarischen Extrablätter” mit Texten von Heinrich Böll, Günter Grass, Ernst Jünger, Sarah Kirsch und Ernesto Cardinal. Besonders stolz sind Irmgard und Heinz Stein heute auf die Sonderausgaben mit Texten von Marie Luise Kaschnitz, deren Version von „Asklepios” 1979 in der Edition Xylos erschien und auf die „Demeter”-Ausgabe von Günter Grass, die heute als begehrtes Sammlerstück Höchstpreise erzielt.
Die Begegnung mit den berühmten Literaten war dabei in allen Fällen eher zufällig. „Heinrich Böll und Günter Grass haben wir beispielsweise auf Lesungen kennengelernt und später angeschrieben. Beide waren sofort mit den Projekten einverstanden”, erinnert sich Irmgard Stein.
Ein kunstvoll gestaltetes Gästebuch erinnert zudem an die einzelnen Literaten und Künstler, Zeilen der bulgarischen Lyrikerin Blaga Dimitrova sind darin ebenso zu finden wie eine Zeichnung der Chinesin Chow Chung Cheng. Nach 35 Jahren denkt Irmgard Stein übrigens noch lange nicht ans Aufhören. „Dafür macht die Arbeit hier viel zu viel Spaß”, sagt sie.
Info: Viele Jahre lang gab Irmgard Stein mit ihrer Edition Xylos auch die Literaturzeitschrift „Solitär” heraus, die sich runden (und halbrunden) Geburtstagen von Literaten und Künstlern widmete. Unter anderem wurden Inge Meidinger-Geise, Alfred Pohl, Jürgen Völkert-Marten, Paul Reding und Heinz-Albert Heindrichs mit Ausgaben in die Reihe aufgenommen.
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