Der David Garrett der Querflöte

Mit seinem Charme und seiner Leidenschaft moderne Musik auf einem klassischen Intrument zu spielen könnte der 25-jährige  Nerses Ohanyan der David Garrett der Querflöte werden.
Mit seinem Charme und seiner Leidenschaft moderne Musik auf einem klassischen Intrument zu spielen könnte der 25-jährige Nerses Ohanyan der David Garrett der Querflöte werden.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nerses Ohanyan ist der neue Musiklehrer in der Musikschule Musikus. Der junge Künstler begleitet sich während des Spiels selbst mit Beatboxing.

Gelsenkirchen..  Mit einer Querflöte verbinden viele beim ersten Gedanken ein Bild von fein frisierten Mädchen in Sonntagskleidchen, die Kirchenlieder spielen. Der neue Querflöten-Lehrer der Musikschule Musikus in Erle zeigt, dass Querflötenmusik auch ganz anders aussehen kann. Nerses Ohanyan (25) spielt neben dem klassischen Repertoire auch Rock- und Popsongs auf der Querflöte und der größte Clou: Er begleitet sich dabei selbst mit Beatboxing.Das heißt, er imitiert zeitgleich zu seinem Flötenspiel Schlagzeugbeats mit Mund, Nase und Rachen.

War diese Fähigkeit auch sein Ass im Ärmel, als er sich bei der Leiterin des Musikus, Julia Beuermann (33) als möglicher neuer Querflöten-Lehrer vorstellte?

Ohanyan fiel unter Bewerbern auf

„Es kamen einige Bewerber und er stach heraus. Als er hinein kam, spielte er zuerst Mozart. Das war schon toll. Er konnte auswendig spielen und improvisieren, das konnten andere nicht. Und als ich ihn dann fragte, ob er auch Rock und Pop kann, da diese Musikrichtungen an unserer Musikschule auch typisch sind, fackelte er nicht lange und legte direkt los. Das zeitgleiche Beatboxing hat mich dann vollends begeistert.“

Seit November letzten Jahres unterrichtet er nun fünf Mädchen im Alter von sieben bis 20 Jahren. „Wenn meine Schülerinnen, und hoffentlich bald auch Schüler, Lust drauf haben, bringe ich ihnen natürlich auch Beatboxing bei. Musik hat keine Grenzen. Ich bin sehr offen, probiere viel aus. Auch den Unterricht versuche ich interessant zu gestalten, mit verschiedenen Übungen, und auch Bewegung versuche ich zu integrieren.“ Und Nerses Ohanyan beweist, dass die Querflöte keineswegs ein Mädcheninstrument ist. „Die Querflöte ist mit vielen Klischees behaftet. Aber es ist auch ein sehr anspruchsvolles Instrument, mit dem man viel machen kann. Man kann als Querflötist auch in einer Rockband spielen“, sagt der 25-Jährige.

Mit sechs Jahren angefangen

Er hat mit Sechs angefangen Querflöte zu spielen, hat in seinem Geburtsland Armenien in einem Orchester gespielt und bereits Kinder unterrichtet, seit sechs Jahren ist er nun in Deutschland, studierte an der Folkwang Universität in Essen Querflöte und möchte nun seine Erfahrungen weitergeben.

„Das zeitgleiche Beatboxing zum Flötenspiel habe ich mir selbst mit Internetvideos beigebracht. Heutzutage muss man auch als Musiker sein Repertoire ausweiten, individuell und besonders sein. Und gerade das macht sehr viel Spaß. Ich improvisiere sehr gerne bei meiner Musik, kann aber natürlich auch Melodien nachspielen, zum Beispiel die von Super Mario“, sagt er und tut es. Sich die Kombination aus Beatbox und Querflöte vorzustellen fällt schwer, genau wie den Klang zu beschreiben, erst beim Hören wird klar, was der junge Musiker macht. Und das hört sich richtig gut an. Ohanyan rät so früh wie möglich mit dem Flötenspiel zu beginnen. „Wenn man richtig gut werden will, ist Vier schon ein gutes Alter. Man kann mit der Blockflöte beginnen. Dafür braucht man etwas weniger Luft.“ Gerade ist der talentierte Musiker dabei, sich das gleichzeitige Beatboxing und Mundharmonika spielen beizubringen. Von dem neuen musikalischen Angebot werden sicher auch seine Musikschüler profitieren.