Der Boden ist bereitet
12.05.2009 | 18:57 Uhr 2009-05-12T18:57:00+0200Am 13. Juli wird Gunter Demnig auch in Gelsenkirchen seine "Stolpersteine" verlegen. Jeder Stein soll an ein Nazi-Opfer erinnern. Im Vorfeld gab es heftige Diskussion um Andreas Jordan (Gelsenzentrum) gegeben, der mit seinem "Gelsenzentrum" die Initiative zur Verlegung der Steine ergriffen hatte.
Zum Beispiel: die Neudorfs. Die Juden Simon und Frieda Neudorf betreiben in den 30er Jahren ein Bekleidungsgeschäft auf der Markenstraße 19 in Horst. Simon Neudorf wird ins KZ Sachsenhausen verschleppt und am 14. März 1941 von den Nazis ermordet. Seine Frau und sein Sohn Hermann werden 1942 nach Riga deportiert; Frieda Neudorf wird am 28. Juli 1944 erschossen. Hermann landet in den Konzentrationslagern Stutthof und Buchenwald, kann aber auf einem „Todesmarsch” fliehen. Über Paris und Kolumbien landet er in den USA, wo er heute seinen Lebensabend verbringt.
Ein Schicksal, das in Gelsenkirchen nur wenige Menschen kennen. Ein Schicksal, über das ab dem 13. Juli aber viele Menschen stolpern könnten: An diesem Tag verlegt nämlich Gunter Demnig auf dem Pflaster vor der Markenstraße 19 zwei so genannte Stolpersteine, auf die die Namen der beiden Mordopfer Simon und Frieda Neudorf graviert sind. Anschließend wird der bekannte Kölner Künstler noch Gedenksteine für die Nazi-Opfer Fritz und Grete Goldschmidt sowie Mathilde Wertheim (Kolpingstr. 6; zwischen Kaufhof und C&A) und Regina Spanier (Florastr. 84) setzen.
„Die Stolpersteine geben den Menschen, den Opfern des Nazi-Regimes, ihre Namen, ihre Würde und ihre Individualität zurück”, sagt Andreas Jordan (47). Mehr als zwei Jahre lang hat der gelernte Maschinenbauschlosser aus Horst mit dem von ihm gegründeten ehrenamtlichen Portal „Gelsenzentrum” darum gekämpft, dass das in über 450 deutschen Städten präsente Projekt auch in Gelsenkirchen Fuß fasst.
Heftigen Vorwürfen aus dem linken Lager und vor allem von Roland Küpper (Mitglied im Bündnis gegen Rechts) sah sich Jordan, der u.a. auch den „Zug der Erinnerung” nach Gelsenkirchen geholt hat, ausgesetzt. Der Tenor: Er habe einst Kontakte zur rechten Szene und zum Nazi-Laden „Vikingship” gehabt. „Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen. Da ist nichts dran”, so Jordan zur WAZ.
Nachdem Küpper auch Demnig per E-Mail über die vermeintlich rechte Vergangenheit des Stolperstein-Förderers Jordan informiert hatte, stand das Projekt vor dem Aus. Nicht zuletzt eine Initiative der Gelsenkirchener Geschichten (GG) mit dem früheren Kulturdezernenten Peter Rose an der Spitze trug wohl dazu bei, dass Demnig die Stolpersteine in Kooperation mit Jordan nun doch in Gelsenkirchener Bürgersteige einlässt.
Der GG-Initiative schloss sich auch Paul Erzkamp vom Bündnis gegen Rechts an. Seine Begründung: „Vor allem ein persönliches Anliegen bewegte mich, mitzuwirken: Es gab schwere Vorwürfe gegen Personen des Projektes. Ich möchte sicherstellen, dass das Projekt realisiert wird und es keine Zweifel an der antifaschistischen Arbeit gibt.”
Die ersten sechs Stolpersteine sollen nicht die letzten bleiben: Weitere Verlegungen seien bereits in Planung, so Jordan, potenzielle Paten hätten Zusagen gegeben. Und noch eine Zusage hat er in der Tasche: Herman Neudorf wird aus den USA anreisen, um der Verlegung des Steins zum Gedenken an seine ermordeten Eltern beizuwohnen.
Informationen zum Projekt
Gunter Demnig will mit dem 1995 gestarteten Projekt „Stolpersteine” an das Schicksal von Menschen erinnern, die von den Nazis ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Der Künstler verlegt jeden Stolperstein persönlich. Die kleinen Betonsteine mit Messingplatte werden jeweils vor dem letzten Wohnort des Nazi-Opfers in den Bürgersteig eingelassen. Unter der Überschrift „Hier wohnte” steht Name, Jahrgang und Schicksal der jeweiligen Person. Die Verlegung (95 € pro Stein) wird von Paten finanziert. Jeder kann eine Patenschaft übernehmen (Einzelpersonen, Schulen, Gruppen etc.). Die Stadt muss die Aktion im Vorfeld genehmigen. In Gelsenkirchen erfolgt zudem eine Absprache mit dem Institut für Stadtgeschichte.
Kontakt zu Gelsenzentrum: Telefon: 0209/999 46 76 oder a.jordan@gelsenzentrum.de. Weitere Infos: www.stolpersteine.com und (für GE) www.stolpersteine-gelsenkirchen.de.
22:08
Na, dem Jordan werden wir schon noch das Handwerk legen.
Von wegen US-Shop und so. Einen Nazi-Laden hatte der!
10:38
Hallo zusammen,
ja es wurde auch Zeit, vielleicht macht jeder seine Geldbörse auf und wird Pate; auch wir hier?
@ Herrn Geldermann., wer bitte soll das bezahlen und wieviele Polizeistreifen haben wir in GE?
09:29
Als eifriger Neo-Antifaschist begrüße ich die künstlerisch und moralisch wertvolle Installierung der hoffentlich ewig mahnenden Stolpersteine, befürchte aber die Gefahr einer Schändung dieser Steine durch den auch unsere bisher gewaltfreie Stadt bedrohenden braunen Mob. Deshalb schlage ich vor, jeden Stolperstein von einer Polizeistreife bei Tag und auch bei Nacht bewachen zulassen, denn der Faschismus schläft bekanntlich niemals.
11:46
Schön das es nun läuft
11:08
Es werden für Menschen aller Opfergruppen Stolpersteine verlegt, mehr Infos auf der Seite der Stolpersteine Gelsenkirchen.
10:39
Hoffentlich werden auch Gedenksteine für von Nazis umgebrachte Sint, Roma, Homosexuelle, Künstler und politisch Andersdenkende gelegt und nicht nur wieder alles auf Juden hin konzentriert sein. Das ist sonst einfach zu einseitig und irgendwie verlogen, wenn die anderen Verfolgten NIE bedacht werden.
09:07
Erinnerungen sind immer gut,in diesen fall besonderes.
Denn es waren Gelsenkirchener die umgebracht wurden.
weiter so.
07:49
super dass es jetzt läuft!
05:27
Das wurde aber auch langsam wirklich Zeit!! Peinlich, dass so eine Aktion aus verletzter Eitelkeit heraus torpediert wird...
19:22
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