Der Betrüger der Erpresser soll seine Haftstrafe absitzen

Zwei Erpresser hat er betrogen, ihnen laut Urteil rund 300 000 Euro an illegal eingenommenen Geldern abgenommen. Dafür schickt ihn die XVII. Essener Strafkammer für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis. Eine Bewährung versagte ihm das Gericht am Mittwoch aber. Der 49 Jahre alte Hertener soll die Strafe absitzen, weil das Geld zum Großteil nicht wieder aufgetaucht ist.

Sein Mitangeklagter, ein 39-jähriger Gelsenkirchener, wurde freigesprochen. Er hatte zwar Treffen der Erpresser aus Gelsenkirchen mit dem Hertener Michael R. vermittelt. Dass er um dessen Betrugsabsicht wusste, ist ihm laut Urteil aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Eine skurrile Geschichte: Im Mittelpunkt steht ein reicher Unternehmer aus Essen, heute 41 Jahre alt, Familienvater. Er hatte 2009 eine damals 26 Jahre alte Prostituierte in einem Bochumer Bordell kennengelernt und sich in sie verliebt. Privat trafen sich beide, gingen zusammen einkaufen und verbrachten Schäferstündchen im Hotel oder in der Wohnung der Prostituierten.

Als der Mann Ende 2010 weitere Treffen ablehnte, kam der Dame eine neue Idee, von ihm bezahlt zu werden. Sie nahm eines der Schäferstündchen mit dem Diktiergerät auf. Ihr Freund, ein Medizinstudent, übertrug die eindeutigen Geräusche auf USB-Sticks, Falls er nicht zahle, so die Drohung, werde das Tondokument seiner Frau vorgespielt. 485 000 Euro zahlte er. Nach eineinhalb Jahren ging er zur Polizei.

Beide Erpresser wurden 2013 vom Landgericht Essen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Dass sie kein Geld mehr hatten und selbst einem Betrüger aufsaßen, nahm ihnen zunächst niemand ab. Ermittlungen der Polizei ergaben aber, dass es in Michael R. tatsächlich einen Mann gab, der ihnen Gold und Metallgeschäfte angeboten hatte. Laut Urteil kassierte er rund 300 000 Euro – ohne Gegenleistung. Das Erpresserduo, das vom Gericht nicht als „typisches schützenswertes Opfer“ eingestuft wurde, hatte zum Schluss sogar teure Uhren verpfändet, um den Betrüger zu bezahlen. Richterin Gabriele Jürgensen: „Der Angeklagte verkauft sich gut. Er hat das Talent, andere Menschen einzuwickeln.“