Der Beruf der Altenpflegerin „ist ein schöner Job“

Altenpflegerin Sandra Jones.
Altenpflegerin Sandra Jones.
Foto: WAZ FotoPool
Sandra Jones ist Altenpflegerin im Awo-Seniorenzentrum an der Grenzstraße. Die 34-Jährige erzählt, warum sie ihren Job richtig toll findet.

Gelsenkirchen.. Der Servierwagen fährt vor: Bratwurst, Möhren oder grüne Bohnen mit Kartoffeln. Das Mittagessen im Schalker Seniorenzentrum an der Grenzstraße ist angerichtet.

Altenpflegerin Sandra Jones (34) reicht Bewohnerin Inge Siepmann die mundgerechten Happen an. Fünf Jahre lang ist Sandra nun mit Begeisterung im Beruf: „Ich finde, das ist ein sehr schöner Job, weil ich Menschen da helfen kann, wo sie Hilfe benötigen. Der Erfolg liegt darin, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und Hilfestellungen im alltäglichen Leben zu geben.“

Eine andere Bewohnerin (Namen geändert) schellt und Sandra Jones eilt in das entsprechende Zimmer. Frau Mantai sitzt im Rollstuhl und da kann’s immer mal zu einem Notfall kommen. Besonnen und mit einem Augenzwinkern sagt die alte Dame: „Toilettenalarm, kein Notfall.“

Schlechte Stimmung spüren alle

Sandra muss zum nächsten Zimmer. Frau Hofstede macht Mittagspause in ihrem Bett, liest ein Buch. Ihr Anliegen: Sie will eine bequemere Körperhaltung einnehmen, da die Buchstaben im Liegen vor ihren Augen verschwimmen. Die Bewohnerin hat etwas mehr Gewicht auf den Rippen. Um rückenschonend arbeiten zu können, kommt eine Kollegin von Sandra Jones dazu. Gemeinsam bringen sie die ältere Frau wieder in die richtige Position. Jones weiß: „Ein gutes Team mit dem richtigen Einfühlungsvermögen ist natürlich die Voraussetzung für einen guten Job. Die Kollegen müssen hundertprozentig zuverlässig sein. Herrscht schlechte Stimmung zwischen dem Personal, spürt dies das ganze Umfeld.“

Bewohner in Ruhe betreuen

Auf die Frage, wie viel Zeit für jeden Handgriff bleibt, entgegnet Jones ganz relaxt: „Das Gute ist, dass ich in einem Seniorenzentrum arbeite und die Bewohner in Ruhe betreuen kann. Das läuft hier anders als in der ambulanten Pflege. Da hat man für jede Hilfestellung ein genaues Zeitpensum.“ Sandra geht in das Pflegezimmer und öffnet den Medizinschrank. Mit Hilfe des Dokumentationssystems füllt sie die Arzneibehälter. „Medikamente dürfen nicht von allen verteilt werden. Es gibt in Einrichtungen immer wieder Mitarbeiter, die eine einjährige Ausbildung ohne Medikamentenlehre absolviert haben oder andere Mitarbeiter ohne Spezialausbildung, die ebenfalls nicht an den Medizinschrank dürfen,“ sagt sie.

Viel Abwechslung als Altenpflegerin

Das Telefon klingelt. Herr Weiß soll vom Friseur abgeholt werden. Sandra Jones macht sich also auf den Weg nach unten, um den Herrn im Rollstuhl in den Gemeinschaftsraum zu bringen...

Sandra Jones erzählt am Rande ihrer Arbeit: „Es gab in den letzten Jahren einen Wandel in der Altenpflege. Früher zogen ältere Menschen recht früh in eine Einrichtung. Doch in der Zeit des Pflegedienstes wohnen die meisten noch so lange zu Hause, wie es die Versorgung durch einen ambulanten Dienst zulässt. Das erspart der Pflegekasse Kosten.“ Und die alten Menschen leben länger in vertrauter Umgebung . Die Aufgaben in der Altenpflege hätten sich ebenfalls verlagert. Die vermehrten Büroarbeiten und Pflegeplanungen nehmen inzwischen einen ganzen Teil der Arbeitszeit in Anspruch.

Einfühlungsvermögen ist nötig

Kurz vor dem Ende der gemeinsamen Stunde mit der WAZ, steht die Übergabe an. Das heißt, der Mittagsschicht wird jetzt übermittelt, was bisher alles passiert ist, ob es neue ärztliche Anordnungen gibt oder Pflegeprobleme wie Druckstellen am Körper. Probleme gibt es auch, wenn die Gesprächsführung zwischen dem Personal nicht stimmt. „Die Kommunikation zwischen Pfleger und Bewohner ist allerdings ebenso wichtig, wie die zwischen dem Personal,“ betont Sandra mit Nachdruck.

„Der Beruf ist wirklich nur einer für Menschen, die in der Lage sind, das nötige Einfühlungsvermögen aufzubringen und die körperliche Belastbarkeit nicht scheuen. Unter diesen Voraussetzungen ist es wirklich ein sehr schöner Beruf.“