Der aufrechte Gang

Warum sich Heike Jordan sicher ist, am 30. März von einem Neonazi angegriffen worden zu sein, erklärt sich durch die Wortwahl des Täters, die wir hier ganz sicher nicht wiedergeben. Es ist schon schlimm genug, was da in blutroter Farbe und für jedermann sichtbar an die Haustür geschmiert wurde. Wer auch immer das gewesen sein mag: Sie will ihren Weg weiter aufrecht gehen, die Frau, die für die Verlegung der Stolpersteine und die Gelsenzentrum-Arbeit zur Aufarbeitung deutscher Geschichte während der Nazi-Zeit in Gelsenkirchen von Yad Vashem ausgezeichnet wurde und die als Wahlfrau im Bundestag saß, als der höchste Repräsentant der Deutschen gewählt wurde.

„Der Schoß ist fruchtbar noch ...“, schrieb Bert Brecht in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ 1941. Wir schreiben das Jahr 2015 und Brecht ist aktuell wie nie: Flüchtlingsunterkünfte brennen, Politiker werden von Rechten bedroht, die „Pegida“ ist hoffähig und Rechtspopulisten sitzen in Räten. Aufmärsche, wie der in Rotthausen erwartete, werden unter Berufung auf Meinungsfreiheit erlaubt, obwohl klar ist, wes Geistes Kind die Partei „Die Rechte“ ist. Braunes Dumpfbackentum ist nicht neu. Der subjektive Eindruck allerdings: Es wird schlimmer. Umso besser, wenn Menschen wie Heike Jordan und am 1. Mai das demokratische Gelsenkirchen Rechten die Stirn bieten.