„Das war Schicksal“

Sebastian hat eine literarische Ader. In seiner alten Heimat hat der 16-Jährige die neunte Klasse des Gymnasiums besucht. Er hat nebenbei ein Diplom für Gedichte und eins für literarische Kreativität bekommen. Lächelnd deutet er mir an, in den Heften zu blättern, in denen seine Gedichte abgedruckt sind. Eine berufliche Perspektive sieht er dennoch in der Literatur für sich nicht. „Ich möchte Jura studieren“, sagt Sebastian, der mit seinen beiden jüngeren Brüdern jetzt an der Gesamtschule Berger Feld fleißig Deutsch büffelt.

Die Geschichte von Michaela (37) und Robin (38) und ihren drei Kindern ähnelt der von Simona und Eugen. „Wir sind hier, um Arbeit zu finden und um unseren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen“, sagt die Mutter. Mioara Boboc und Danail Veselinov, die beiden Awo-Integrationshelfer im Stadtteil Schalke, übersetzen.

Hoffnung: schnell Arbeit finden

Ankommen in Gelsenkirchen, wie war das? Michaela überlegt, bevor sie sagt: „Ich bin mit anderen Vorstellungen gekommen. Schwierig ist die deutsche Sprache. Ich dachte, wir finden hier schnell Arbeit für uns beide und ein Haus.“ Nach Gelsenkirchen zu ziehen, „das war Schicksal“. Sie lacht. Weniger zum Lachen war die erste Wohnung. „Ganz schlecht“, sei die gewesen. Jetzt sitzt die Roma-Familie in einer neuen, mit eigenen Kräften frisch renovierten und blitzblanken Wohnung. Darauf ist sie sichtbar stolz.

Die deutschen Nachbarn sind in Ordnung, sagt sie. Und an der Schule läuft’s für ihre Jungen auch gut. Freizeit? Sebastian lacht. „Fußball spielen.“ Schalke kennt er auch – und hält den Daumen hoch. Er geht gern spazieren, sagt auf Deutsch: „In Bochum, ist schön in Bochum.“ Seine Mutter ist voll des Lobes für die Awo. „Firma Awo ist großartig. Am Anfang wussten wir die richtigen Wege nicht. Da haben wir Hilfe bekommen.“ Auch die Flyer der Stadt für zugewanderte Neubürger seien hilfreich gewesen. „Wir wollen uns ja an die Regeln halten“, sagt sie, „aber wenn man neu hier ist, kennt man sie nicht.“ Michaelas Mann hat inzwischen einen Minijob, die Familie hat daher aufstockende Leistungen beantragt. Man ist also auf einem guten Weg. Aber auf meine Frage, ob sie noch einmal ihren kleinen Heimatort verlassen und nach Deutschland kommen würde, sagt sie: „Nein.“ Mit einer Einschränkung: „Nur für meine Kinder!“