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Neues Hans-Sachs-Haus

Das Rätsel des Sägetischs

28.07.2010 | 19:28 Uhr
Das Rätsel des Sägetischs
Das Leben ist eine Baustelle - das galt jetzt auch für 20 WAZ-Leser. Sie besichtigten im Rahmen der Reihe „die WAZ öffnet Pforten“ das Neue Hans-Sachs-Haus. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen. Tiefe Einblicke erhielten 20 WAZ-Leser bei einer Besichtigung der Baustelle Neues Hans-Sachs-Haus. Dabei gab es auch eine gute Nachricht: Die Arbeiten sind im Zeitplan, die Fertigstellung im November 2011 ist realistisch.

In der 19. Etage der Maritim-Residenz lebt Marga Schäfer. Immer wieder beobachtet die 82-Jährige abends von ihrem Fenster aus einen rätselhaften Vorgang auf der Hans-Sachs-Baustelle: An den Kränen werden Gegenstände befestigt und anschließend hochgezogen. Der neue städtische HSH-Projektleiter Thilo Steinmann klärt auf: „Das sind so genannte Sägetische. Die werden hochgezogen, damit sie nachts nicht gestohlen werden.“

Nicht die einzige Frage, die bei der exklusiven Baustellenbesichtigung beantwortet wird. 20 WAZ-Leser nutzen die Gelegenheit, um sich unter fachkundiger Führung durch Vertreter der Stadt, des Generalunternehmers gmp und der Firma Riedel Bau einen Eindruck vom Stand des Rathaus-Baus zu verschaffen.

Einen zusätzlichen Eindruck, muss man nicht nur im Falle von Marga Schäfer sagen. Wilhelm Funcke beispielsweise ist direkter Nachbar der Großbaustelle und kann von seiner Wohnung an der Munckelstraße aus die Baustellen einsehen. „Das sind faszinierende Einblicke“, sagt der frühere Leiter des Ricarda-Huch-Gymnasiums.

Wie alle Teilnehmer der Pforten-Tour muss er laut sprechen, denn: Neben den Baustellen-Touris wird kräftig gebohrt, gesägt und gehämmert. Auch der Umgangston ist authentisch: „Ist der besoffen, oder was?“, schnauzt Bauleiter Martin Kramer (Riedel Bau) in Richtung eines nicht zu seiner Zufriedenheit arbeitenden Kollegen.

Montags bis samstags wird auf der Baustelle von 7 bis 18 Uhr angepackt. Der Zeitplan ist schließlich eng. Doch Dirk Buchhalla und Jutta Hartmann-Pohl (gmp) verkünden eine frohe Botschaft: „Wir sind optimistisch, dass wir wie geplant im November 2011 fertig werden.“ Stadtdirektor Michael von der Mühlen vernimmt’s mit einem Lächeln.

Obwohl im Erdgeschoss bereits in der kommenden Woche die erste Decke gegossen werden soll, braucht man zurzeit noch viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier schon bald eine wenn nicht gar die gute Stube der Stadt stehen wird. Der Stadtdirektor hat diese Vorstellungskraft: „Das ist doch wunderbar“, schwärmt er über die entstehende Sichtachse im Erdgeschoss.

Lucie Miedza freut sich über etwas ganz anderes: „Ich bin froh, dass die Fassade erhalten bleibt. Das ist ein Wahrzeichen von Gelsenkirchen“, sagt sie. Doch die Anwohnerin des HSH-Hauses findet auch Worte der Kritik: „Der Abriss war für uns schon sehr belastend.“

Immer wieder werden die Vorträge von Fragen unterbrochen. So erfahren die Teilnehmer neben technischen Daten und konkreten Plänen fürs neue Rathaus unter anderem auch, dass die 55 Arbeiter in der Woche und im Fall der rumänischen Kräfte auch am Wochenende auf der Baustelle in Containern schlafen. Und dass Bauleiter Kramer findet, dass in Gelsenkirchen wenig los ist und die Bürgersteige schon um 19 Uhr hochgeklappt werden. „Das ist fast wie bei uns zu Hause“, unkt der Münsterländer.

Nach 75 Minuten endet die Tour. Zwischen Pfützen, Schutt und Staub streben die WAZ-Leser Richtung Baustellenausgang. Der Bueraner Willi Stender ist zufrieden: „Ich wollte mal schauen, ob der Bau eines so teuren Gebäudes für die Stadt überhaupt notwendig ist“, erzählt der 71-Jährige. Und? „Ja, das ist er wohl.“ Und wenn ein Bueraner so etwas über ein Projekt im Süden sagt, wiegt das doppelt schwer.

Lars-Oliver Christoph

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Kommentar
Gehen Sie sonntags gerne einkaufen? Ich nicht. Ich kann mir sehr gut andere Beschäftigungen vorstellen, als mich in einer überfüllten Innenstadt behaupten zu müssen. Es ist der neue Ehrgeiz der Gesellschaft, zu jeder Zeit alles zu wollen. Oder es zumindest zu können.
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