Das Musiktheater Gelsenkirchen setzt neue Maßstäbe

Eine herausragende Premiere war die Oper „Die Frau ohne Schatten am MiR“, hier eine Szene mit der Mezzosopranistin Gudrun Pelker.
Eine herausragende Premiere war die Oper „Die Frau ohne Schatten am MiR“, hier eine Szene mit der Mezzosopranistin Gudrun Pelker.
Foto: WAZ
Das Kulturjahr 2014 in Gelsenkirchen: Von der umjubelten Zauber-Show der international bekannten „Ehrlich Brothers“ bis hin zu „Fine Art Jazz“.

Gelsenkirchen.. Was hat die Kulturszene Gelsenkirchens bewegt im Jahr 2014? Richtig zauberhaft ging das Jahr los mit dem Auftritt der „Ehrlich Brothers“ in der Emscher-Lippe-Halle. Der Frühling brachte das großartige Seniorentheaterfestival „Wild West“ im Consol Theater und Studierende und angehende Künstler der Gerrit Rietveld Akademie nach Ückendorf, um kreative Ideen für den Stadtteil zu entwickeln.

Dort wurde zeitgleich das Gelände des Halfmannshofes weiter umgekrempelt (siehe auch den Aufreger links auf der Seite). Und während das Consol Theater wenige Kilometer entfernt mit einem Auftragswerk für Sibylle Berg, die ein Beitrag der Kunst Stiftung NRW ermöglicht hatte, und mit einer generationsübergreifenden Premiere von „Ronja Räubertochter“ Publikumshits feierte, lockte das Figurentheater Festival im Frühjahr Besucher von weither in die Stadt.

MiR setzt neue Maßstäbe

Das Musiktheater im Revier setzte mit seinen vielen Premieren, vor allem aber mit der großen Spannbreite von „Jenufa“ über „Männer“ bis zur herausragenden „Frau ohne Schatten“ neue Maßstäbe. Für Furore sorgte Opern-Star Cheryl Studer, die am MiR einen Meisterkursus gab.

Das Ballett im Revier nahm beim Eröffnungsfest des Musiktheaters im September geschlossen an der „Ice Bucket Challenge“ teil und ließ sich dabei filmen – und endlich kam auch der Ballett-Klassiker „Giselle“ vom Essener Aalto-Theater ans Musiktheater im Revier. Die Bleckkirche konnte in der NRW-weiten Konzertreihe „Klangkosmos Weltmusik“ internationale Künstler aus Portugal, Chile, Russland, dem Kongo, aus Tahiti, Bhutan, Rumänien und aus Simbabwe begrüßen.

Konzertperlen aus ganz Europa

Besonders hervorzuheben sind die Auftritte der portugiesischen Musikerlegende Vitorino Salomé im März und des Ensemble Druk Revival aus Bhutan im Oktober. Beide Konzerte wurden vom Westdeutschen Rundfunk in der Bleckkirche speziell für die Ausstrahlung im WDR 3 aufgezeichnet. Feurig wurde es beim Flamenco-Festival España an Christi Himmelfahrt, das gleich zwei Konzerte mit renommierten Flamenco-Größen aus Spanien und den Niederlanden in die Bleckkirche führte.

Die Konzertreihe „Fine Art Jazz“ feierte den ersten Geburtstag mit Konzertperlen aus ganz Europa abwechselnd in ungewöhnlicher Atmosphäre auf der Wasserburg Lüttinghof, im Stadtbauraum der alten Zeche Oberschuir und hoch oben im Nordsternturm.

Und die Urbane Künste Ruhr schickten junge Kreative aus der Stadt auf das Gelände des Schalker Vereins, um mit einem ungewöhnlichen Projekt die Landschaft in Szene zu setzen.

Paukenschlag als Erinnerung an Ausbruch des 1. Weltkrieges

In der Reihe „Emporenkonzert“ gelang mit großem Aufwand ein Paukenschlag als Erinnerung an den Ausbruch des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren. Der Konzertabend, der im November in der Nikolai-Kirche stattfand, hallt noch nach.

Jazz-Musiker Christian Hammer holte sich derweil zum zweiten Mal den Ausnahme-Musiker Matthias Nadolny zu „Hammer +3“ in die Werkstatt nach Buer. Und das Foyer des Hans-Sachs-Hauses erlebte nicht nur die tolle neue Reihe der Kammermusikkonzerte der Neuen Philharmonie Westfalen, sondern auch die Jazz-Diva Sheila Jordan aus New York, die zum Livekonzert vorbei schaute.

Ein paar Etagen weiter oben wurde der Ratssaal des Hauses zum Dreh- und Angelpunkt für einen neuen „Mord am Hellweg“, den Krimiautor Volker Kutscher der Stadt Gelsenkirchen auf den Leib schrieb und hier live präsentierte.