Das blaue Kreuz: Halt finden unter Gleichgesinnten

Alkoholismus ist das Suchtproblem Nummer eins in Deutschland.
Alkoholismus ist das Suchtproblem Nummer eins in Deutschland.
Foto: Utsch, Julia
Was wir bereits wissen
Zur Gesprächsgruppe im Katharina-Bora-Haus an der Königsberger Straße kommen zehn, manchmal auch 15 Betroffene. Sie eint eines: Alle haben an der Flasche gehangen.

Gelsenkirchen.. Dieter sagt von sich: „ Geschafft habe ich es nie, ich kann nur sagen, am 21. Mai bin ich seit einem Jahr trocken.“ Trocken, das heißt: weg vom Alkohol. Die Blaue-Kreuz-Gruppe in Schalke bietet ihm eine „Wochenstruktur“. „Man muss sich Leute suchen, denen es genau so geht wie mir. Es ist für mich wichtig, dass ich Gleichgesinnte hier treffe.“ Für Michael gehört die Gruppe zur Erkrankung dazu. „Die ist wie eine Reha-Maßnahme, nur eben eine permanente.“

Tricks, um zu widerstehen

Dieter und Michael nehmen diese Hilfe in Anspruch. Keine teuren Tabletten, keine kostspieligen Therapien, sondern offene Ohren und Verständnis halten die beiden trockenen Alkoholiker auf dem richtigen Weg. Beim „Blauen Kreuz in der evangelischen Kirche“ wird ihnen zugehört. Zur Gesprächsgruppe im Katharina-Bora-Haus an der Königsberger Straße kommen zehn, manchmal auch 15 Betroffene. Sie eint eines: Alle haben an der Flasche gehangen.

Treffen im Katharina-Bora-Haus

In der Therapie lernen sie Mechanismen, dass man im entscheidenden Moment, „wenn der Druck und die Versuchung ganz besonders groß sind“, nicht zum Glas greift. Klingt einfach, ist aber meist eine Herkulesaufgabe. Michael greift zu Schokolade, er weiß von anderen, dass Peperoni auch eine Alternative sein kann, um dem Druck, zur Flasche zu greifen zu widerstehen. „Wichtig ist, dass man beschäftigt ist.“

Stigmatisierung im Beruf

Bei den Treffen geht es um die Frage, wie man den Alltag ohne Alkohol bewältigt. Manchmal entspannen sich Diskussionen, so wie heute: Ist die Krankheit heute gesellschaftsfähig oder hängt trockenen Alkoholikern im Beruf ein Makel an? „Wenn jemand auf der Arbeit Fehler macht, sagt man, das liegt am Alkohol. Du hast wieder getrunken, das würde man bei einem Mitarbeiter, der mal einen Herzinfarkt hatte, nicht sagen“, ist Andrea überzeugt. Thomas Kropp, stellvertretender Vorsitzender, ist seit 20 Jahren trocken. „Jeder weiß, dass ich clean bin. Wenn jemand eine Runde gibt, bringt er mir ein Glas Wasser mit.“

Die Auslöser für die Sucht sind ganz unterschiedlich. Bei Dieter war es der Verlust des Arbeitsplatzes, andere müssen eine nervenzehrende Scheidung verarbeiten oder es wurde schon immer in der Familie getrunken. Die Gruppe gibt ihnen jetzt Halt.