Das Baby, der Friedhof, die Würde
25.04.2008 | 19:03 Uhr 2008-04-25T19:03:47+0200Beate Kuschmierz stillte ihre zwölf Tage junge Tochter in einem Notfall auf einer Bank des evangelischen Altstadtfriedhofs - und musste sich von einer älteren Dame beschimpfen lassen
"Ordnung auf dem Friedhof" steht es schwarz auf grau am Eingang des evangelischen Altstadtfriedhofs geschrieben. Und unter § 3 heißt es dort: "Jeder hat sich der Würde des Ortes entsprechend zu verhalten." Dass jemand diese Würde durch diskretes Stillen eines Babys abseits der Hauptwege verletzt sehen könnte, hätte Beate Kuschmierz niemals im Leben für möglich gehalten. Bis zu jenem Tag, als sie mit ihrem Baby Klara im Notfall eben jenen Friedhof aufsuchen musste.
Bei ihrem allerersten Mutter-Kind-Ausflug war sie über die Bahnhofstraße gebummelt. Nach einem Kaffee im Baldini's am Hauptbahnhof machte sie sich mit dem Kinderwagen auf den Heimweg in Richtung Schalke. "Ich dachte, dass ich es locker bis nach Hause schaffen." Doch dann legte Klara plötzlich los: Unruhe, Geschrei, roter Kopf - Huuunger!
"Ich habe überlegt, wo ich das Kind stillen soll", erzählt die 32-Jährige. Schließlich entschied sie sich, den um die Ecke gelegenen Friedhof aufzusuchen, zu dem sie eine persönliche Beziehung hat: Mehrere ihrer Verwandten haben hier die letzte Ruhe gefunden.
Eine Bank abseits des Hauptweges wählte Beate Kuschmierz aus. Und um auch bloß kein Aufsehen zu erregen, hielt sie nach dem erfolgreichen Andockmanöver ihre Jacke und eine Decke vor Klara. All das hinderte eine des Weges kommende ältere Frau aber nicht daran, die stillende Mutter heftig zu attackieren: Was ihr denn einfallen würde; so eine Unverschämtheit - an "diesem" Ort. Auch das musste sich Beate Kuschmierz anhören: "In einer Familie mit Bildung wäre das nie vorgekommen." Auf die Frage, ob sie selbst keine Enkelkinder habe, antwortete sie, dass sie dafür ja wohl zu jung wäre.
Völlig perplex trat die 32-Jährige den Nachhauseweg an und erzählte zu Hause ihrem Mann Olivier Kruschinski von der alles andere als erfreulichen Premiere. "Wenn man gleich am Anfang solche Erfahrungen macht, stellt man sich natürlich schon die Frage nach der Kinderfreundlichkeit", sagt der 33-Jährige. Und: Bei der Friedhofskrakehlerin möchte er sich noch einmal "recht herzlich für ihr Verständnis bedanken". Denn, so Kruschinski: "Selig sind die geistig Armen."
Siehe oben: "Und das ..."
22:31
Wirklich schade, dass es so viele frustrierte, engstirnige, bösartige Leute gibt, die ihren Unmut immer an anderen auslassen müssen. :-(
Ich sehe überhaupt nichts entwürdigendes daran, auf einem Friedhof zu stillen. Im Gegenteil, was kann es für die Seelen der Verstorbenen schöneres geben, als einem neuen Leben bei seiner liebsten Beschäftigung zuzuschauen?
Früher war es total normal, wenn Babies immer und überall gestillt wurden, und jetzt fühlt sich jeder Dahergelaufene direkt auf den Schlips getreten und in seinem Leben gestört!
Herr Kruschinski hat mit seinem Spruch selig sind die geistig Armen goldrichtig reagiert.
Ich hoffe sehr, dass sich Frau Kuschmierz von so einem dummen Kommentar nicht den Mut nehmen lässt und wünsche ihr noch viele weitere Stillausflüge mit ihrer kleinen Tochter!
13:41
Es ist schade, dass in Deutschland die natürlichste Sache der Welt als so unnatürlich angesehen wird. Überall sehen wir Bilder von knapp bekleideten Menschen, aber wehe eine Mutter legt dezent ihr Baby an.
Mein Sohn ist 15 Monate alt und stillt nach wie vor sehr häufig. Da ist es im egal wo wir sind. Dabei bin ich nie entblößt und oft merken die Leute es nur am schmatzen :-)
Ich habe schon die merkwürdigsten Kommentare gehört. Sogar ein älterer Herr im Eiskaffee, der beim Seitentausch erst begeistert war das der Kleine trinkt um dann zu fragen ob das jetzt eine andere Sorte sei. Er bekam freundlich zur Antwort. Ja Rechts Vanille und Links Schoko.
Es fehlt dringend etwas Toleranz und Aufklärung.
10:55
du meine guete: wer ist frau kokoschinski? was macht sie derart prominent, mit dieser story samt fettem aufmacher-foto auf seite 1 der waz gelsenkirchen zu kommen?
ehrlich gesagt, ich verstehe die aufregung nicht. man kennt doch deutsche rentnerinnen, vor allem die auf friedhoefen, zumal evangelischen. ich habe aehnliches frueher auch einnmal erlebt, in duesseldorf. mein rat an frau k. waere gewesen: die ruhe bewahren, die dame an maria und den jesusknaben erinnern und an gewisse gemaelde des mittelalters erinnern - dann waere auch das mit der bildung erledigt gewesen. aber gleich zur waz rennen und sich wichtig tun? ich weiss nicht.
und: lieber herr loc: an sich schaetze ich sie und ihre art der berichterstattung, das aber war too much: und was sollte das mit dem baldini´s. wieder mal schleichwerbung? langsam nervt es.
08:48
Unglaublich, was manchen Leuten so einfällt. Ich kann den jungenEltern nur sagen, weiter so. Kinder sind unsere Zukunft. Sicher war diese verhärmte, alte griesgrämige Frau ein Einzelfall, von dem man sich nicht ins Boxhorn jagen lassen sollte. Und der Oma sei an dieser Stelle gesagt: Erst Gehirn einschalten, dann reden. Ansonsten liebe Oma halte es doch mit Dieter Nuhr: Einfach mal die ****** halten!