„Damals hat Schalke gegen Erkenschwick gewonnen“

Meisterkurs, zweite Runde: Nach Cheryl Studer 2014 bringt seit gestern Siegfried Jerusalem einen Hauch von Bayreuth an den Kennedyplatz. Jahrzehnte war der deutsche Tenor eine feste Größe im internationalen Wagner-Gesang. Jetzt steht er – die Stiftung der Sparkassen macht’s möglich – Sängern des MiR-Ensembles drei Tage zur Seite. Doch ist es für den großen „Tristan“-Interpreten auch eine Heimspiel. Denn Siegfried Jerusalem wuchs, 1940 in Oberhausen geboren, in Gelsenkirchen auf. Lars von der Gönna fragte ihn nach seinen Wurzeln.

Sie waren sieben Jahre alt, als Ihre Familie nach Gelsenkirchen kam.

Mein Vater kam nach dem Krieg nach Hause. Und 1947 hat er dann eine Stelle bei den Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen bekommen. Er war Elektroingenieur. Da sind wir als Familie dann von Sprakel bei Münster hierher gezogen, mitten ins Ruhrgebiet. Meine Mutter war Mülheimerin.

Wo sind Sie zur Schule gegangen?

Ich hab’ hier am Grillo-Gymnasium die Schulbank gedrückt.


Spielte Fußball eine große Rolle in Ihrer Gelsenkirchener Zeit?

Ich war einmal auf Schalke. Aber ich hab’ damals fast nichts gesehen, weil ich einfach zu klein war. Da waren so viele Leute, alle größer als ich. Aber ich weiß noch, dass sie 8:3 gegen Erkenschwick gewonnen haben. Daran merken Sie, dass es länger her ist (lacht). Aber ich muss Ihnen sagen, dass ich bis heute immer mit Wehmut zu Hause in Nürnberg sitze und Schalke gucke.

Sie haben Dienstagmorgen schon einen ersten Einblick gewonnen. Wie erleben Sie die vier MiR-Sänger, die diese Woche in den Genuss Ihres Meisterkurses kommen?

Insgesamt kann ich sagen, dass wir heute extrem viele gute Sänger haben. Auch hier am Haus habe ich einen sehr guten Eindruck. Es sind wirklich schöne Stimmen hier am Musiktheater und die jungen Kollegen freuen sich ganz offensichtlich, in dieser Woche noch ein paar Nuancen vervollkommnen zu können. „Habe ich eine Wagner-Stimme?“, hat man mich heute auch schon gefragt. Da ist meine Antwort aus Erfahrung: „In ein paar Jahren, vielleicht. Das muss man vorbereiten. Wagner braucht Zeit.“

Ein Interview zur Gesangskunst mit Siegfried Jerusalem finden Sie heute auf unserer überregionalen Kulturseite – dazu auch Infos zum Meisterkurs für interessierte Besucher.