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Beziehungen

Da Ja-Wort in Leder

03.08.2009 | 16:40 Uhr

Die etwas andere Rocker-Hochzeit - mit Hupen und Sirenen, Chrom und Motorenlärm und einem gaaanz romatischen Kuss

Rocker - Hochzeit der Freeway - Riders Dirk Zietek + Sandra Jung in Gelsenkirchen - Horst am 01.08.2009 / Photo: Cornelia Fischer/ Honorarpflichtig

Sirenen und das Motorengeräusch von etwa dreihundert Motorrädern bilden am Samstagvormittag die akustische Kulisse vor dem Standesamt im Schloß Horst. In brütender Hitze versammeln sich hier immer mehr Harley-Fahrer, Lederjackenträger und jene, die man landläufig „Rocker” nennt zur Hochzeit von Dirk Zietek und Sandra Jung, zwei Mitgliedern der „Freeway Riders Gelsenkirchen”.

Beinahe täglich geben sich zwei Menschen hier das Ja-Wort. Doch nicht immer ist die Kulisse so imposant. Für die Vereinsmitglieder ist das aber weniger spektakulär. „Das kommt bei uns zwei, drei Mal im Jahr vor”, lacht Ernie aus Dinslaken. Und dann gibt es immer ein solches Spektakel. „Laut und heftig”, wird dann gefeiert. Und ein Motorradkorso gehört auch meist zum Programm. Für die Gäste eine ziemliche Herausforderung. „Es sind immer ein paar Leute dabei, die sich opfern müssen um dann den Verkehr zu regeln.”

Endlich trifft der Bräutigam ein. In einer S-Klasse. Den Motorradliebhaber sieht man ihm trotzdem an. Einen Dress-Code wie sonst bei Hochzeiten gibt es hier nicht. „Das ist unsere Alltagskleidung”, lacht Ralf, der Vizepräsident der Gelsenkirchener „Freeway Riders”, von denen es etwa dreißig Vereine in Deutschland gibt. Nun folgt die Braut. Ein kleines Schwarzes. Rote, hochhackige Schuhe und rote Handschuhe. Braut und Brätigam schütteln Hände, drücken und klopfen auf die Schulter, immer beäugt von den anderen Hochzeitsgesellschaften. Darunter ein Ritter in Rüstung mit Burgfräulein. Heiraten wie im Mittelalter.

Unter Vorurteilen leiden die „Rocker” häufig. „Aber wenn man mal ein paar Worte mit uns geredet hat, hat sich das meist erledigt”, lacht Ralf. Für den Standesbeamten Ullrich Schleich sind Vorurteile kein Thema. Einige Male bereits führte er solche Trauungen durch. „Es ist ein wenig anders, aber nicht ungewohnt.”

Mit viel Humor aber mit der gebührenden Ernsthaftigkeit gestaltete er die Eheschließung. Als das JA des künftigen Ehemannes nicht so euphorisch ausfällt, wie von der Braut gewünscht war, erntet der unter dem Tisch einen kleinen Tritt mit den roten Pumps. Umso leidenschaftlicher aber fällt dann der Kuss aus, bei dem Dirk Zietek noch vor dem obligatorischen Satz des Standesbeamten Initiative zeigt.

Vor dem Schloß ist die Straße gesperrt und über dreihundert Lederjacken-Träger satteln auf. Sirenen und Hupen: Herzlichen Glückwunsch!

Kira Schmidt

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