Chansons gegen das Vergessen in Neuer Synagoge Gelsenkirchen

Das Programm „Exil“ der Chanson-Sängerin Magie Koreen ist eine Hommage an Annemarie Hase und Stella Kadmon.
Das Programm „Exil“ der Chanson-Sängerin Magie Koreen ist eine Hommage an Annemarie Hase und Stella Kadmon.
Foto: WAZ
Maegie Koreen erinnert in ihrem aktuellen Programm an Kleinkünstler im Exil. In der Neuen Synagoge sang die Chanson-Künstlerin für Annemarie Hase und Stella Kadmon.

Gelsenkirchen.. „Kleine Bühne im Exil“ lautet der Titel des Programms von Chansonsängerin Maegie Koreen. Sie will damit an die Chansonsängerinnen Annemarie Hase und Stella Kadmon erinnern, die während des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen mussten. Ein „Chansonkonzert gegen das Vergessen“, das am Sonntag in der Neuen Synagoge gastierte.

Maegie Koreen am Mikrofon und Vlad Kalina am Piano führten mit einer vielfältigen Liedauswahl durch den Werdegang der beiden Künstlerinnen Hase und Kadmon, die ihre Kabarettkarrieren kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begannen. Stella Kadmon begann in Wien, Annemarie Hase in Berlin. Für sie schrieb Friedrich Hollaender „Die zersägte Dame“ – eine junge Frau, die von der Ungerechtigkeit klagt, dass nicht ihr, sondern ihrem Zersäger der Applaus zukommt.

„Eine Frau, die ihren Mann steht“

Auch in Erich Kästners „Ankündigung einer Chansonette“ wird die selbstbewusste, und doch verschmitzte Rolle einer Chansonsängerin deutlich: „Eine Frau, die ihren Mann steht“, heißt es da, „sie singt, was sie weiß, und sie weiß, was sie singt.“ Diese Beschreibung ließe sich auch auf Koreen selbst übertragen: Über zwei Stunden fesselte sie die etwa 70 anwesenden Zuhörer, mit Chansons, die zum Lachen anregten, die ganz laut und bedrohlich wurden und Chansons, die die sorgenerfüllte Lage deutlich machten: Der „Chanson vom Geldverdienen“ etwa – „Der Stellungskrieg entbrennt um die Rente schon“, bereits damals aktuell.

Hase floh 1936 nach England, Kadmon emigrierte 1938 nach Tel Aviv. Beide kehrten im Jahre 1947 aus dem Exil zurück und eroberten aufs Neue die Kleinkunstbühnen.

Doch auch wenn die Chansons mitunter Existenzängste und hoffnungslose Träume thematisierten – keinem fehlte es an dieser gewissen Eloquenz und dem warmherzigen Zwinkern, mit dem Maegie Koreen jede Darbietung schmunzelnd beendete. Ein Abend, der nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.