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Bürger befreien Gelsenkirchen von Müll und Dreck

30.03.2014 | 15:28 Uhr
Bürger befreien Gelsenkirchen von Müll und Dreck
Im Rahmen der alljährlichen Aktion GE-putzt-Aktion säuberten am Samstag zugewanderte Familien aus Rumänien und Bulgarien gemeinsam den Möntingplatz in Schalke.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  An 80 Müllsammelstellen lief am Samstag die Reinigungsaktion. 3000 Menschen machten in 135 Gruppen und Verbänden fleißig mit und befreiten Grünstreifen, Spielplätze und Wegrände von Unrat. Zugewanderte Familien aus Rumänien und Bulgarien säuberten gemeinsam den Möntingplatz in Schalke – mehr als ein Putzeinsatz.

Uwe Unterseher-Herold hat am Samstagvormittag einiges zu tun. Der Betriebsleiter der Gelsendienste möchte viele der 80 „GE-putzt “-Müllsammelstellen persönlich besuchen. Im Süden war er schon, gegen elf Uhr schaut er am Möntingplatz auf Schalke vorbei. „Ich bin in jedem Jahr von der großen Akzeptanz unserer Frühjahrsputzaktion beeindruckt.“ Diesmal beteiligen sich über 3000 Menschen in 135 Gruppen und Verbänden, sammeln in ihren Stadtteilen Verpackungen, Flaschen, Zigarettenkippen und vieles mehr.

„Vor allem Parkanlagen und Grünstreifen sind vom Müll betroffen“, sagt Unterseher-Herold. „Stadtbildpflege, die Kombination von Straßenreinigung und Abfallwirtschaft, ist das ganze Jahr über unser Auftrag. Aber mit 470 Mitarbeitern können wir nur eine Grundhygiene schaffen.“ Da kommt das bürgerschaftliche Engagement von „GE-putzt“ gerade Recht.

"Hauptsache Arbeit"

Genau das tun gerade die knapp fünfzig Menschen auf dem Möntingplatz. Hier hat die „Aufsuchende Sozialberatung für Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien“, ein Gemeinschaftsprojekt von AWO und Diakonie, die Putzaktion koordiniert. Projektleiter Admir Bulic schickt die Teams über den Spielplatz. Seine Mitarbeiterinnen, die Rumänin Mioara Boboc und Bulgarin Loretta Licheva, helfen bei Kommunikationsproblemen.

Viele der freiwilligen Helfer sind erst seit kurzem in Deutschland und beherrschen nur ihre Muttersprache oder Englisch. „Aber Aufräumen kann man auch ohne Deutsch zu sprechen“, lacht Marian Dragnea. Der Rumäne ist gelernter Landwirt und könnte sich vorstellen, auch hauptberuflich Straßenreiniger zu werden. „Hauptsache Arbeit, das ist das erste Ziel, damit meine Kinder hier eine bessere Zukunft haben.“ Die Familie ist seit vier Monaten hier, Dragnea ist stolz, dass seine Tochter Samaria zur Schule geht und schon fleißig lernt.

Das Gemeinschaftsgefühl wächst

„Erst einmal nur die deutsche Sprache“, sagt das junge Mädchen bescheiden. Aber heute wird geputzt. Ausgestattet mit dicken Arbeitshandschuhen, Greifzangen und blauen Müllsäcken geht es auch dem letzten Papierschnipsel rund um die Spielgeräte an den Kragen. Innerhalb von zwei Stunden ist alles aufgeräumt und sieben Säcke stapeln sich in einer Ecke.

„Durch die Aktion wächst das Gefühl, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Das gilt für alle, ob erst kürzlich zugezogen oder hier geboren“, ist Bulic überzeugt. Uwe Unterseher-Herold: „Die Aktion soll die Menschen sensibilisieren, auch im Alltag auf ihren Stadtteil zu achten.“ Der Möntingplatz jedenfalls strahlt blitzblank und sauber.

Beim Aufräumen kommen die Menschen ins Gespräch

„Die Frühjahrsputzaktion passt perfekt in unser Konzept der Gemeinschaftsprojekte“, freut sich Mioara Boboc. Die 38-jährige Rumänin zählt zum siebenköpfigen Team der „Aufsuchenden Sozialberatung für Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien“.

Awo und Diakonie haben diese Einheit im letzten Jahr gegründet, um zuziehenden Familien aus den beiden EU-Ländern Starthilfe zu geben. „Beim Aufräumen kommen die Menschen ins Gespräch. Wir haben bewusst Gruppen aus Leuten gebildet, die sich nicht kannten“, sagt Projektleiter Admir Bulic.

Zwei Stunden lang gemeinsam zu arbeiten kann einiges bewirken. Als die Müllsäcke gefüllt in der einer Ecke stehen, bleiben viele auch dank des herrlichen Wetters auf den Parkbänken sitzen und versuchen ins Gespräch zu kommen. „Natürlich ist die deutsche Sprache noch ein Problem. Aber dafür sind wir ja als Übersetzer dabei, damit die Familien in ihrer Muttersprache kommunizieren können“. Mioara Boboc weiß, wie wichtig Sprache für Integration ist. Sie selbst ist vor vier Jahren aus Bukarest nach Gelsenkirchen gekommen.

Barbara Seppi

Kommentare
31.03.2014
17:48
Bürger befreien Gelsenkirchen von Müll und Dreck
von Hoerer | #3

Vorbildlich! Insbesondere für alle Sesselpu.... die hier Zeit für Kommentare haben. Ich würde es begrüßen, wenn solche Aktionen häufiger organisiert...
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http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/buerger-befreien-gelsenkirchen-von-muell-und-dreck-id9181076.html
2014-03-30 15:28
Gelsenkirchen, Migration, Integration, Rumänien, Bulgarien, Diakonie, Awo, Einwanderer, Straßenreinigung
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