Bildung und Sprache sind seine Passion

Bücherregale sind das bestimmende Element in der gemütlichen Wohnung. Sie verraten auch gleich etwas über den Mann mit dem erfrischend offenen Lachen. Er liest, er ist der Bildung verschrieben – und selbst hoch gebildet. Philippe Gbegnon, seit dem 14. April frischer 65-er, schwärmt, bevor er über sich und sein Leben in Deutschland erzählt, bei einem Stück Kuchen in der Küche – hier stehen auch Bücher – erst einmal über Willy Brandt, sein großes politisches Idol. Und die SPD. Das ist seine Partei, der er allerdings erst seit drei Jahren angehört. Gbegnon ist Mitglied im Ortsverein Buer-Mitte. Womit auch seine Wohnheimat geklärt ist: Er wohnt mit Ehefrau Barbara an der Hagenstraße, im Herzen der Nord-City.

Mit noch 24 Jahren hat Philippe Gbegnon seiner Heimat Togo den Rücken gekehrt, ist nach Europa gekommen, um hier zu studieren. Zwei Optionen hatte der junge Mann damals: „Ich habe die Chance gesehen, in Deutschland oder Frankreich zu studieren.“ Aufgewachsen mit der französischen Sprache, hat er sein Abitur auch in Französisch gemacht. „Aber mein Großvater hat deutsch gesprochen, weil er eine deutsche Schule besucht hatte.“ Die Wahl fiel schließlich auf Deutschland, genauer gesagt auf Münster.

Hier studierte Philippe Gbegnon Wirtschaftswissenschaften, schloss als Diplom-Volkswirt ab und wollte eigentlich die Promotion drauf satteln. „Bis dahin war meine Intention ja noch, nach Togo zurück zu kehren.“ Der 65-Jährige lacht herzhaft. Weil sich zu der persönlichen Einsicht, „dass ich in Togo allein mit dem Studienabschluss schon überqualifiziert gewesen wäre“, der Rat eines guten Freundes gesellte. Er solle die Sache mit dem Promovieren besser mal lassen, Doktor-Titel gebe es in Deutschland genug.

„Da bin ich auf die Idee gekommen, etwas Praktisches zu machen.“ Heißt, Gbegnon fing ein neues Studium an: Maschinenbau an der FH in Münster. Nach dem Examen arbeitete er noch zwei Jahre bei einer Firma in Mülheim-Heißen – und hängte danach, wen wundert’s, noch eine Ausbildung dran: in der CAD-Branche (Computer Aided Design, rechnerunterstütztes Konstruieren). „Das war mein Glück.“ Wieder lacht der 65-Jährige. Glück, weil er seinen beruflichen Weg gefunden hatte, und mit CAD sein Geld verdiente. Die Schule in Oberhausen beschäftigte ihn nach dem Ausbildungsabschluss – „Ich war der einzige Ausländer im Kurs“ – als Trainer. Dann stellt er sein Licht bescheiden unter den Scheffel: „Ich glaube, man hat mich nur wegen der Sprache genommen. Ich war nämlich nicht der Beste.“ Kleiner Schlenker also zur Sprache: Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch kann er. Ein bisschen Arabisch, Nachhilfe hat er auch in Latein gegeben.

Sechs Jahre bildete er CAD-Nachwuchs in Oberhausen aus, dann ging er nach Essen. Seit 2000 lebt er mit seiner Frau in Gelsenkirchen. „Mit hat mal ein Schüler gesagt: Herr Gbegnon, sie haben soviel Spaß im Unterricht und bekommen sogar Geld dafür.“ Ja, er hat Spaß in den Backen, wie man im Ruhrgebiet gern sagt. Und der Togoer lebt gern hier. Irgendwann hat ihn die Liebe zu seiner Frau Barbara, die er während des Studiums in Münster kennen lernte, allerdings nach Hannover gebracht. „Wir hatten da unseren Hauptwohnsitz, weil meine Frau dort als Referendarin gearbeitet hat.“ Doch obwohl sein inneres Zuhause das Ruhrgebiet war, wurde er ausgerechnet in der niedersächsischen Landeshauptstadt eingebürgert.

2005 hat sich Philippe Gbegnon als CAD-Trainer selbstständig gemacht, neue System gelernt und ist nun sein eigener Ein-Mann-Betrieb. Kinder? „Wir haben ganz bewusst auf Kinder verzichtet.“ Er selbst habe sechs Geschwister, die ihm über 20 Nichten und Neffen beschert haben. „Die freuen sich alle über Hilfe vom Onkel in Deutschland.“