Betroffensein ist die Voraussetzung für Selbsthilfe

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Es gibt kaum eine Schwäche, für die es keine Selbsthilfegruppe gibt. Woche für Woche treffen sich chronisch Kranke, Spielsüchtige und Opfer von häuslicher Gewalt - Menschen mit demselben Problem schließen sich zusammen, in der Hoffnung, dass sie durch gemeinsame Gespräche mit ihrer Situation besser klar kommen.

Auch Gelsenkirchen hat ein umfangreiches Netz. Es gibt 120 bis 130 Selbsthilfegruppen. Einige davon wird die WAZ in den folgenden Wochen vorstellen. Viele haben Starthilfe von der Selbsthilfe-Kontaktstelle an der Dickampstraße 12 bekommen (Nachfolgeeinrichtung des KISS in Bismarck). Sie ist die Schnittstelle, hier laufen alle Fäden von Interessierten, Selbsthilfe-Aktiven und Profis zusammen.

Ansprechpartner sind dort seit dem Jahr 2013 Christa Augustin-Sayin und Ute Rosenthal. Beide Frauen haben ein Studium der Sozialpädagogik und Sozialarbeit absolviert. „Selbsthilfegruppen haben für Patienten und Angehörige eine große Bedeutung. Dort können Menschen Erfahrungen austauschen, ihre Interessen vertreten, über Sorgen und Probleme reden und sich durch Experten fachlichen Rat holen“, sagen sie.

Das Betroffensein ist Voraussetzung für Selbsthilfe. Als Betroffener kennt man die Situation und weiß, wie sich andere fühlen. Manche Gruppen bestehen seit fast 20 Jahren, andere haben sich erst kürzlich gegründet, wie die für „Traumatisierte Heimkinder“ oder „Gewalt in der Familie“ (polnischsprachig).

Nicht immer setzen sich Gruppen mit Gesundheitsproblemen auseinander. Es gibt auch soziale Motivationen, wie zum Beispiel das Reparaturcafé in Bulmke. Aber eines gilt für alle Selbsthilfegruppen: „Das Gefühl, mit anderen zusammen zu sein, die das gleiche Problem haben, ist entlastend“, sagt Christa Augustin-Sayin.