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Insolvenz

Ben Hur droht der endgültige Show-Tod

29.01.2010 | 05:28 Uhr

Gelsenkirchen. Karten-Kunden fühlen sich geprellt und im Kampf um ihr Geld auf verlorenem Posten. Immerhin: Ein Insolvenzverfahren bietet auch Chancen auf einen weiteren Nachholtermin. Zu dem ist man in der Arena bereit.

Bei der Staatsanwaltschaft München II dürften weitere Anzeigen eintrudeln – gegen Art Concerts, den Veranstalter von Ben Hur Live. Und wegen Betrugsvorwürfen. Das zumindest kündigten Kartenkunden an, die sich geprellt fühlen. Teils seit November versuchten sie, im Vorverkauf georderte Tickets erstattet zu bekommen und wurden dabei durch die Firma am Starnberger See – gelinde gesagt – hingehalten. Ob tatsächlich ermittelt wird, wie der Stand der Dinge ist? Dazu Auskunft zu geben, sah sich die zuständige Staatsanwaltschaft auf Anfrage der WAZ am Donnerstag noch nicht in der Lage.

"Niemand hat sich bereichert"

Für Fakten sorgte derweil Franz Abraham. Der Geschäftsführer von Art Concerts („es gibt niemanden, der sich bereichert hätte, im Gegenteil”) teilte mit, dass die Firma auf Antrag Dritter Insolvenz anmelden müsse. Trotz übertroffener Umsatz- und Profitprognosen an den Spielorten in München, London und Gelsenkirchen sei die Produktion finanziell in Bedrängnis geraten. Schlecht laufende und letztlich abgesagte Gastspiele in Südeuropa hätten Finanzlücken aufgerissen, „zumal die einmaligen Produktionskosten unterfinanziert waren”. In der Summe bedeutet das: Es fehlt an Masse. Auch, um derzeit die Ansprüche der Kartenbesitzer zu befriedigen. „Wir möchten bitten, nicht unnötig Geld in Rechtsberatung zu investieren, sondern den einzig realistischen Weg zu gehen, der darin besteht, die Show zu besuchen, wenn wir sie neu ansetzen können”, barmt Abraham. Die Kunden dürfte das ebenso wenig befriedigen wie der Hinweis, „vorerst von Rückfragen soweit wie möglich abzusehen, da wir personell derzeit nicht in der Lage sind, eine derartig große Anzahl von Anfragen abzuwickeln.” Bis Mittwoch hatte es stets geheißen, der Umtausch werde nun zügig abgewickelt.

Franz Abraham ist seit 1986 als Veranstalter und Produzent aktiv, hat nach eigener Aussage über 2000 Veranstaltungen ausgerichtet. In der Branche gilt er als „positiv Verrückter”. Ben Hur Live war die bisher aufwändigste Tourneeproduktion. Ob er tatsächlich Investoren für eine neue Firma und eine mögliche Show-Fortsetzung findet und ob ein Insolvenzverwalter eine Zukunft für Ben Hur Live sieht, ist offen. Immerhin: Die neuen Termine am 21. und 22. Mai in der Arena sind geblockt. „Wir sperren uns auch nicht gegen eine Veranstaltung in der Arena”, macht Rüdiger Mengede deutlich. Für den Geschäftsführer der Stadionbetriebsgesellschaft ist Ben Hur nach wie vor „ein Topprodukt”. Eine Insolvenz sieht er als Chance für die Produktion.

Dass der Arena ein Imageschaden entstanden sein könnte, sieht Mengede nicht. „Solche Dinge haben nichts mit der Qualität” der Spielstätte zu tun. „Wir haben so eine Reputation in Deutschland und Europa, dass wir uns darüber keine Gedanken machen müssen”, sagt Mengede. 2009, betont er, war trotz der Absage „das Rekordjahr seit der Eröffnung.”

Es geht um Millionen

180, 300, 620 Euro – für ihre Ben Hur-Tickets haben Käufer tief in die Tasche gegriffen. Die Chance, Geld erstattet zu bekommen, ist (derzeit) äußerst gering. Art Concerts ist beim Umtausch letztlich in der Pflicht, nicht die Vorverkaufsstellen. Sie nehmen in der Regel Gelder im Namen und auf Rechnung des Veranstalters an. Allein für die beiden Arena-Gastspiele geht es um Millionenbeträge.

Jörn Stender

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