Begegnung von Haydn und Tango mit brillanten Musikern

Die Neue Philharmonie Westfalen unter Leitung von Generalmusikdirektor Rasmus Baumann mit den Solisten Daniel Binelli (Bandoneon,  links) und Alexander Hülshoff (Violoncello; rechts).
Die Neue Philharmonie Westfalen unter Leitung von Generalmusikdirektor Rasmus Baumann mit den Solisten Daniel Binelli (Bandoneon, links) und Alexander Hülshoff (Violoncello; rechts).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine einzigartige Begegnung zwischen Haydn und Tango begeisterte das Publikum Sonntag in Gelsenkirchen. Heute gibt es eine Wiederholung.

Gelsenkirchen.. Die Konzertreihe „Haydn im Dialog mit…“, die Rasmus Baumann der Neuen Philharmonie Westfalen in seiner ersten Saison als Generalmusikdirektor auf den Leib geschneidert hat, hat sich zu einem richtigen kleinen Sinfoniekonzert gemausert. Beim dritten Sonntagkonzert der Reihe im Kleinen Haus des Musiktheaters ließ Baumann Joseph Haydns mit tänzerischen Rhythmen durchzogene „Sinfonie Nr. 93 in D-Dur“ in einen Dialog mit Tango treten. Die ungewöhnliche Kombination auf dem Programmzettel sorgte für ein ausverkauftes Kleines Haus.

Doch an diesem Abend gab es viele Aha-Effekte, weil dieser so gar keinem Klischee entsprach. Schon mit dem Eröffnungswerk „Oblivion“ des Altmeisters Astor Piazzolla kehrte die Neue Philharmonie unter Leitung ihres GMD sehr ansprechend die wehmütige Seite des Tango Nuevo heraus.

Binelli arbeitete einst eng mit Astor Piazolla zusammen

Das Herzstück dieses Konzertabends bildete eine Uraufführung: Der argentinische Komponist und Bandoneonista Daniel Binelli, der extra aus New York angereist war, hatte sein Konzert „Encounters“ für Bandoneon, Violoncello und Orchester eigens für die Neue Philharmonie Westfalen geschrieben. Der 68-Jährige, der in den frühen 1990ern eng mit Piazzolla zusammenarbeitete, verbindet in seinen Werken Elemente von Tango und Jazz mit zeitgenössischer Musik.

Im ersten Satz klang seine Komposition wie die Geräuschkulisse auf einer belebten Straßenkreuzung in New York City. Im zweiten Satz traten Orchester, Binelli mit seinem Bandoneon und der Cellist Alexander Hülshoff nach dissonanten Eröffnungs-Schwebeklängen in einen harmonischen Dialog. Der dritte Satz erinnerte an Filmmusik aus einem Hollywoodstreifen.

So hat man Tango nie gehört. Das Gelsenkirchener Publikum zeigte sich begeistert – und wurde mit einer Zugabe belohnt, die Ihresgleichen sucht: Daniel Binelli und Alexander Hülshoff präsentierten ihre ganz eigene Bearbeitung von Astor Piazzollas „Triunfal“. Sagenhaft schön und einzigartig.