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Baukünstler und Bewahrer

19.02.2010 | 21:55 Uhr
Baukünstler und Bewahrer

Preisfrage: Was haben das Berliner Stadtschloss, der Potsdamer Landtag und das Hans-Sachs-Haus gemein? Antwort: In allen drei Fällen handelt es sich um zentrale Gebäude mit großer Geschichte, die mit neuem Leben gefüllt, die wieder aufgebaut werden (sollen). Und an denen große Hoffnungen hängen. Und noch eins vereint die drei Projekte: Sie dienten Donnerstagabend Volkwin Marg als Beispiele für den Umgang mit – der eigenen – Geschichte und Baukultur.

Marg, ein unkonventioneller, ein kraftstrotzender Typ (und Vorzeigearchitekt des Büros gmp) zeichnet für den Entwurf des Neuen Hans Sachs Hauses verantwortlich. In der Branche zählt er zur Champions-League. Von seinem Büro wurden WM-Stadien in Südafrika ebenso wie internationale Flughäfen realisiert. In der THS-Hauptverwaltung am Nordsternplatz war er Donnerstagabend auf Einladung der Wirtschaftsinitiative Gelsenkirchen. Die würdigte mit einer Festveranstaltung „Gelsenkirchener Baumeister“. Christopher Schmitt, Vorsitzender der Initiative und wortgewandter Moderator, führte durch den Abend, der Vergangenheit und Zukunft vereinte – und einen Geist belebte. Ulrich Penquitt vom Trias Theater gab mit großer Geste und Kostüm aus dem MiR-Fundus Rutger von der Horst. Der Schlossherr leistete im 16. Jahrhundert nachhaltige Aufbauarbeit.

In Film und Text (von Frank Bürgin) wurden weitere Stationen Gelsenkirchener Stadtentwicklung vorgestellt, ehe Marg den Bogen ins Jahr 2010 spannte. Als „Bewahrer und Erneuerer des Hans-Sachs-Hauses“ war der Architekt von Schmitt angekündigt worden. Eine Beschreibung, die er nur teilweise gelten ließ. „Wir sind nicht die Bewahrer. Das stimmt nicht. Bewahrt haben das Haus die Bürger, bewahrt hat es eine streitbare Demokratie. Jetzt ist es da, und wir sind nur die Erfüllungsgehilfen.“ Wobei, „da“ ist weit gegriffen. Nur die äußere Hülle steht derzeit. Dennoch unterscheidet sich das Hans-Sachs-Haus von anderen Vorzeigeprojekten. „Hier in Gelsenkirchen ging es nicht um die Flucht zurück, hier ging es um die Frage: wie erhalten wir dieses Monument der sozialen Demokratie der 20er Jahre“, so Marg. Das Haus war für ihn mit Verwaltung und Veranstaltungssaal, Hotelturm, Bibliothek und Gastronomie gebautes Programm für ein „tatsächlich bürgerschaftliches Leben“. Diese Identität zu erhalten und in der alten Kontur des Hauses zu erweitern, ist sein Anspruch.

Den teilt man an der Stadtspitze. Ein Bekenntnis zu guter Baukunst und zur Auseinandersetzung darüber, was gut ist, gab es entsprechend von Frank Baranowski. „Wo wir investieren, legen wir Wert auf gute Architektur.“ Der Oberbürgermeister outete sich als Fan von Wettbewerben. „Diskurs ist wichtig. Sie bieten kreatives Potenzial.“

Das hat auch Karl-Heinz Petzinka, THS-Hausherr und künstlerischer Direktor der Ruhr 2010 GmbH, in großem Maß. Plus Durchsetzungswillen und Macherqualitäten. Das Denkmal Nordstern krönt er bekanntlich gerade mit Herkules: kraftstrotzend, 18 Meter hoch, deutlich in der Bildsprache. Die Lüpertz-Plastik ist für Petzinka etwas, „was das Ruhrgebiet gut gebrauchen kann“. Und er weiß, „dass das ein streitbares Projekt ist“, ein „Klassiker in der Auseinandersetzung um Baukunst“. Dass es eine offene Diskussion über Herkules gibt, findet der Professor spannend. Man darf sicher sein: Er wird sie durchstehen

Jörn Stender

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Kommentare
20.02.2010
09:16
Baukünstler und Bewahrer
von manni | #2

dieses Monument der sozialen Demokratie der 20er Jahre
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
Die Spd auf der Seite der Arbeiter und Demokraten?
Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht essen! Soziale Überversorgung Soziale Hängematte Hartz-Gesetze, 1 Eurojobs, Ausweitung der Leiharbeit und Einführung von Minijobs, da für stehen für mich solche Gebäude.
Und Millionenverschwendung durch eine inkompetente Verwaltung.
Ich finde den Bau häßlich und einen Umbau für zig Millionen nicht angemessen.

19.02.2010
22:17
Baukünstler und Bewahrer
von Hulligan | #1

und die Frage: welche Firma macht die Statik? Ha, ha!

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