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Prozess

Bande manipulierte Spielautomaten in Gelsenkirchen

17.11.2015 | 18:12 Uhr
Bande manipulierte Spielautomaten in Gelsenkirchen
In Essen musste sich sie Gelsenkirchener Gaunerbande vor Gericht verantworten.Foto: Oliver Müller

Gelsenkirchen.  Im großen Stil hatten sie die Software von Spielautomaten manipuliert und so 1,85 Millionen Euro ergaunert. Jetzt muss der Kopf der Bande in Haft.

Eine Frau lief laut weinend aus dem Saal, der Angeklagte nahm das Urteil der I. Essener Strafkammer aber äußerlich unbewegt auf. Fünfeinhalb Jahre muss Ali T. (54) ins Gefängnis, weil er Automaten in Spielhallen derart geschickt manipulierte, dass er innerhalb eines Jahres rund 1,85 Millionen Euro kassierte.

Exakt drei Monate nach Prozessauftakt gegen insgesamt sieben Gelsenkirchener ist das Spiel vorerst aus. Ali T. ist das letzte Mitglied der Bande , das sein Urteil erhielt. Die übrigen Angeklagten hatten niedrigere Strafen erhalten. Edgar Loch, Vorsitzender der I. Kammer, erinnerte daran, dass sich Ali T. seit Jahrzehnten in der Spielautomatenbranche bewege. In dieser Zeit habe er großes Wissen über die Schwachstellen der Automaten gesammelt. Loch: „Er gilt als Branchenintimus.“

Dieses Wissen hätte er später Automatenherstellern angeboten. Dafür hätte er von den Firmen einen „stattlichen Geldbetrag“ erhalten. Allerdings hinderte ihn das laut Urteil nicht daran, seine neue Position für weitere Manipulationen zu nutzen. Zum Teil arbeitete er dabei auch mit Vorstandsmitgliedern der Firmen zusammen.

Spielsucht nicht entscheidend

Loch erlaubte sich im Urteil einen kleinen Schlenker. Es sei verlockend, in der Begründung rhetorisch auf die Spielbranche einzugehen: „Etwa ein Zitat wie ,Hoch gepokert und dennoch verloren’ – oder einige Sätze über die Spielsucht.“ Dabei zeige dieser Fall, dass das Spiel gar nicht die ausschlaggebende Rolle gespielt hätte. Loch: „Es geht ums Geld. Das Geld ist der Faktor, der die Taten auslöste.“

Von den 1,85 Millionen Euro Verdienst ist der Großteil nicht sichergestellt worden. Ali T. soll viel Geld in die Türkei gelenkt und dort unter anderem in einen Flughafen investiert haben. Mit dieser Geldflucht begründete das Gericht auch den Haftbefehl gegen den Angeklagten.

Dass es nur ums Geld geht, hätte Ali T. auch selbst formulieren können. Denn die Ermittlungen hatten gezeigt, dass seine Helfershelfer ihr durch ihn erworbenes Wissen nutzten, um ihn zu betrügen. So hatte es auch der ermittelnde Kripobeamte erkannt und dem Gericht vermittelt: „Jeder betuppt hier jeden.“

Stefan Wette

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2015-11-17 18:12
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