Ausstellung dokumentiert Leidenswege Gelsenkirchener Juden

Diese Repro zeigt Moritz Back im Jahr 1933 mit seinen Kindern Klaus, Hilde und Ernst bei einem Ausflug.
Diese Repro zeigt Moritz Back im Jahr 1933 mit seinen Kindern Klaus, Hilde und Ernst bei einem Ausflug.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Projektarbeit des Weiterbildungskollegs Emscher-Lippe ist in der Synagoge zu sehen.

Gelsenkirchen.. Artur Herz, Moritz und Paula Back, Henriette Breuer, Elfriede Heinemann, Julius Stern, Johanna Herz ... Ihre Namen und Geschichten stehen stellvertretend für Gelsenkirchener Juden, die von den Nazis nach Theresienstadt deportiert wurden. Die meisten fanden den Tod. In Konzentrationslagern, in die die braunen Schergen sie brachten. Wenn sie nicht an Krankheit und völliger Entkräftung starben.

Der Projektkurs „Liga Terezin“ des Weiterbildungskollegs Emscher-Lippe hat mit Unterstützung des Instituts für Stadtgeschichte jüdische Lebens- und Leidenswege recherchiert, ist der Geschichte des Nazi-„Musterghettos“ Theresienstadt (Terezin) nachgegangen und hat daraus Schlüsse unter der Überschrift „Historische Verantwortung“ gezogen.

Zu sehen ist die Dokumentation in der Neuen Synagoge (Georgstraße 2) noch bis Mitte kommender Woche. Dann gehen die Ausstellungstafeln zurück an die Schule. Was Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, ein wenig bedauert. Sie hätte die Ausstellung gern noch länger in der Synagoge gesehen.

Mit der alten Mitgliedskarte zurück nach Gelsenkirchen

Die Tafeln, die namentlich an ehemalige Gelsenkirchener erinnern, beschreiben auf berührende Weise, wie aus angesehenen Bürgern plötzlich Opfer wurden – weil sie Juden waren. Etwa Henriette Breuer, geborene Seligmann. sie war die Ehefrau des damaligen Stadtoberinspektors Wilhelm Breuer. Nach dessen Tod wurde sie deportiert. Rechtsanwalt Moritz Back und seine Frau Paula hatten es rechtzeitig geschafft, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Back starb nach der Deportation vor seiner Frau. Paula schrieb den Kindern, dass ihr Vater nach einer kurzen, schweren Krankheit „sanft eingeschlafen ist“. Auch sie selbst wurde später ermordet.

Die Wege von Artur Herz, dem ehemaligen Schalker Jugendspieler, der 1934 zwangsweise aus dem Verein austreten musste, weil er Jude war, führten an verschiedene Orte des Schreckens, der Vernichtung und Erniedrigung. Er war 1938 zunächst im Gefängnis, die Nazis brachten ihn nach Riga, Buchenwald und Theresienstadt. Herz überlebte und ließ sich nach dem Krieg in den USA nieder. 1996 kam er mit 88 Jahren noch einmal nach Gelsenkirchen. Mit seiner alten Schalker Mitgliedskarte ...

Die Ausstellung in der Synagoge ist geöffnet: Mo. u. Mi. von 9-17 Uhr; Di. u. Do. von 12 -17 Uhr.