Ausstellung „China 8" zeigt in Gelsenkirchen Kalligrafie

Künstler Wang Dongling vor seinen Kalligrafien, wie wie abstrakte Malerei wirken.
Künstler Wang Dongling vor seinen Kalligrafien, wie wie abstrakte Malerei wirken.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Mega-Event „China 8“ kommt nun in Gelsenkirchen an. Die jungen, zeitgenössischen Werke, die hier gezeigt werden, stecken voller Überraschungen.

Gelsenkirchen.. Schwarze Schriftzeichen tanzen in energischem Rhythmus über einen nackten Frauenkörper, umkreisen blanke Brüste, umspielen lange Beine. Überraschung: So modern kommt heute klassische chinesische Kalligrafie daher, wenn sie denn von einem der ältesten und etabliertesten zeitgenössischen Künstler aus dem Reich der Mitte stammt. Der 70-jährige Wang Dongling stellt aktuelle Beispiele seines Schaffens ab Donnerstag zusammen mit zwölf weiteren Künstlern im Rahmen von „China 8“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen aus.

Drei Gäste arbeiten vor Ort

Acht Städte, neun Museen, 120 Künstler aus China mit über 500 Werken: Das ist das ambitionierte Projekt an Rhein und Ruhr, das bis September einen so opulenten Einblick in das aktuellen Kunstschaffen der Volksrepublik gibt, wie man ihn weltweit noch nie erlebt hat. Jedes teilnehmende Museum präsentiert einen Aspekt der chinesischen Kunst. Das Kunstmuseum widmet sich in der Alten Villa unter dem Motto „Tradition heute“ der Tuschemalerei und Kalligrafie.

Drei der ausstellenden Künstler traten die lange Reise vom Reich der Mitte bis ins Ruhrrevier an. Mit Wang Dongling ist ein Künstler vertreten, der bereits weltweit einen Ruf als zeitgenössischer Maler genießt, der in Europa und den USA ausstellte und zurzeit eine große Schau in seiner Heimatstadt Hangzhou zeigt.

In New York erhielt er vor drei Jahren die Inspiration für seine übermalten Aktfotografien: „Darauf reagieren die Menschen in China ganz unterschiedlich. Manche positiv, neugierig, andere kritisieren das sehr, weil sie den Umgang mit der klassischen Kalligrafie als respektlos empfinden.“

Ironische Spiele mit dem roten Vorhang

Großformatige Werke voller kalligraphischer Zeichen wirken wie gestische, abstrakte Malerei und sprengen ebenfalls den klassischen Rahmen einer über 2000 Jahre alten Kunstform. Erst seit rund 15 Jahren versuchen zeitgenössische Künstler in China, die traditionelle Tuschemalerei mit der sogenannten neuen zu verbinden. Dabei helfen vor allem neue Medien. Die Ausstellung startet mit einer ganz frischen Wandmalerei, einer Art Landkarte voller Begriffe rund um China.

Über gleich zwei Etagen rinnen schwarze Tuschetropfen scheinbar von den weißen Wänden, die Installation aus Keramiken schuf Liu Jianhua. An klassische Papierrollen erinnern die narrativen Zeichnungen von Miao Xiaochun.

Zhu Wei spielt ironisch mit dem roten Vorhang. Wo sich für gewöhnlich die Großen der Republik aufreihen, zeigt er einen nackten Fuß.

Von den zahlreichen, sehr unterschiedlichen, reizvollen und auch leise zeitkritischen Arbeiten sei noch die Lichtbox „Background Story“ empfohlen. Von vorne scheinbar klassische Tuschemalerei, von hinten die Überraschung, das Making off aus Plastikfolie und Fundstücken.

Die Ausstellung „China 8. Tuschemalerei und Kalligrafie“ wird am Donnerstag, 14. Mai, um 12 Uhr im Kunstmuseum, Horster Straße 5-7, eröffnet. Die Werke von 13 Künstlern werden bis 13. September zu sehen sein.

Um 15 Uhr findet eine Performance statt, gegen 16 Uhr ein Künstlertalk. Die Plätze sind allerdings fast alle vergeben (Info: 0209 1694377).

Führungen mit der Kuratorin Dan Xu gibt es am 2. Juni, 5. Juli und 16. August, jeweils um 15 Uhr. Der Eintritt in die Gelsenkirchener Ausstellung ist frei, der umfangreiche Katalog zu allen Ausstellungen kostet 39 Euro.