Ausschuss beschließt Einsatz der Schlichter

Hing eine Weile im Depot, jetzt aber längst wieder in der Dauerausstellung: das Gemälde „Bacchanale“ von Lovis Corinth entpuppte sich vor über vier Jahren als Raubkunst.
Hing eine Weile im Depot, jetzt aber längst wieder in der Dauerausstellung: das Gemälde „Bacchanale“ von Lovis Corinth entpuppte sich vor über vier Jahren als Raubkunst.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anrufung der Limbach-Kommission im Fall des Raubkunst-Gemäldes von Lovis Corinth

Gelsenkirchen.. In die stockenden Verhandlungen zwischen der Stadt Gelsenkirchen und den Erben der einstigen, von den Nazis ermordeten Besitzer des Gemäldes „Bacchanale“ soll Bewegung kommen. Der Kulturausschuss beschloss in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich, die sogenannte „Limbach-Kommission“ als beratende Schlichtungsstelle in den Fall einzuschalten.

Diese Kommission hatte der Potsdamer Anwalt von Großneffe und Großnichte der einstigen Besitzerin des Gemäldes von Lovis Corinth (1858-1925) bereits am 8. März angerufen. Er kritisierte zudem im Juni in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister das bisherige Verfahren der Stadt.

Die Fronten scheinen verhärtet. Fest steht, dass es sich bei dem im Jahre 1957 in einer Kölner Galerie für 14 500 DM erworbenen Gemälde um ein Stück Raubkunst handelt. Fest steht wohl auch, dass die Stadt das Bild grundsätzlich an die Erben zurückgeben will. Mit der Bedingung allerdings, dass diese das Gemälde auch zukünftig wenigstens ab und zu der Öffentlichkeit zugänglich machen. „Schließlich war es damals von der Stadt zu diesem Zwecke erworben worden“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Kulturausschuss.

Anwalt fordert Rückgabe der Gemälde

Eine Idee, die Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, ausdrücklich begrüßt: „Auch ich wünsche mir, dass das Bild der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Es könnte als eine Art Lehrstück der Geschichte dienen.“ Zum Beispiel, so Tasbach-Neuwald, mit Hilfe einer Erklärtafel, die über die einstigen Besitzer des Bildes und ihren schrecklichen Leidensweg informiert: „Das wäre echter, begreifbarer Geschichtsunterricht.“

Um ihre Position auch den Erben erklären zu können, wandte sich die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in einem Schreiben direkt an die Erbin – und erhielt als Antwort einen Brief vom Anwalt: „Ich solle den Kontakt zu den Erben unterlassen.“ Judith Neuwald-Tasbach reagierte betroffen und traurig: „Ich hatte es gut gemeint, wollte mich als Mediatorin anbieten. Denn auch ich bin Tochter von Holocaust-Opfern und hätte auf Augenhöhe mit den Erben reden können.“ Gerne hätte sie den Erben persönlich gezeigt, wie sehr sich die Stadt dem Thema Holocaust und der Erinnerung an die jüdische Geschichte widmet.

Der Anwalt fordert eine bedingungslose Rückgabe des Gemäldes, zu dessen Versteigerung die ehemaligen Besitzer einst von den Nazi-Schergen gezwungen worden waren. Er betont in seinem offenen Brief, dass die Erben das Interesse der Stadt, das Gemälde weiterhin in der Öffentlichkeit zu zeigen, durchaus teilten. Einen Käufer, der dafür die Gewähr gibt, hätten sie aber noch nicht finden können, weil es „von der Stadt noch keine verbindliche Zusage und keinen Termin für eine Rückgabe gibt“.

Jetzt setzen beide Seiten auf die schlichtende Vermittlung der Limbach-Kommission.