Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 4°C
Arbeitsmarkt

Ausbildungsmarkt in Gelsenkirchen weiter angespannt

05.11.2012 | 17:05 Uhr
Ausbildungsmarkt in Gelsenkirchen weiter angespannt
Michael Ifland von der IHK Nord Westfalen, Dr. Josef Hülsdünker vom DGB, Egbert Streich von der Kreishandwerkerschaft und Karl Tymister, Leiter der Gelsenkirchener Arbeitsagentur (v.l.), im Gespräch.Foto: Peter Sieben

Gelsenkirchen.  Auf eine Ausbildungsstelle kommen zwei Bewerber. Arbeitsagentur bleibt erste Anlaufstelle bei der Berufsorientierung. IHK und Kreishandwerkerschaft vermelden gestiegene Vertragszahlen.

Es ist die erste zentrale Aussage von Karl Tymister, dem neuen Leiter der Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen, und es ist eine düstere. Auf dem Ausbildungsmarkt in der Emscher-Lippe-Region sieht es nicht gut aus, denn auf jede Stelle kommen zwei Bewerber. Heißt im Klartext: Zu viele junge Menschen bleiben bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf der Strecke.

Tymister will nicht schwarzmalen, bezeichnet die Lage aber dennoch als angespannt. 1390 gemeldeten Stellen in 2011 stehen 1329 in diesem Jahr gegenüber (-4,4%). Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Bewerber von 2555 auf 2684 an (+5,0%). Die nackten Zahlen sprechen also gegen die Agentur, sind aber nur die halbe Wahrheit, wie der neue Leiter des Hauses an der Vattmannstraße beruhigt.

Mehr Beratungen als im Vorjahr

„Wir stellen fest, dass immer mehr Betriebe ihre Auszubildenden auf anderen Wegen, zum Beispiel auf Ausbildungsmessen, suchen. Gleichzeitig haben wir aber mehr junge Menschen beraten als noch 2011. Die Agentur für Arbeit ist also weiterhin erste Alternative im Bereich der Berufsorientierung“, so Karl Tymister. So sei keine nachlassende Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen in der Region feststellbar. Auch würden sich die Bewerber in Gelsenkirchen nicht am Markt vorbei bewerben. Denn unter den Top10 der beliebtesten Ausbildungsberufe seien sechs, die unter den Top10 der meistgemeldeten Stellen seien.

Arbeitsmarkt
Menschen Mut machen, Vorzüge zu betonen
Menschen Mut machen, Vorzüge zu betonen

1 Seit 2. November sind Sie Leiter der Agentur für Arbeit in Gelsenkirchen. Sind Sie auch ganz neu in der Stadt?

Karl Tymister: Ich bin in Aachen geboren, in Hamburg aufgewachsen, habe in Göttingen studiert, danach in Düsseldorf und Köln gearbeitet. Jetzt lebe ich mit Frau und Kind in Hilden. Ich habe das Glück gehabt, bei ersten Gesprächen mit Menschen dieser Stadt herumgefahren zu sein und bin beeindruckt. Gelsenkirchen bietet so viel und hat noch immer großes Potenzial.

2 Welche Probleme auf dem Gelsenkirchener Arbeitsmarkt werden verstärkt angegangen?

Wir wollen mit den Partnern, mit denen wir seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, auch weiterhin gemeinsame Wege gehen. Die gute Arbeit auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt muss fortgesetzt werden. Die Grundprobleme in Gelsenkirchen unterscheiden sich nicht von denen anderer Agenturbezirke, sie sind hier nur intensiver. Es gibt ein tolles Angebot an Fachkräften in dieser Stadt, wir müssen sie nur unterstützen. Man muss den Menschen Mut machen, die Vorzüge dieser Region nach Innen und nach Außen zu betonen.

3 Der Job des Leiters der Arbeitsagentur war zuletzt kein Hort der Kontinuität.

Ich habe die feste Absicht zu bleiben. Mindestens fünf Jahre, denn das ist zunächst einmal ein guter Planungshorizont.

Michael Ifland, Leiter Bildung bei der IHK Nord Westfalen, erkennt zwar auch die derzeit schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt, kann aber auch gute Zahlen verkünden. „Wir haben in Gelsenkirchen 1,4% mehr Ausbildungsverträge gezeichnet als im Vorjahr. In Gelsenkirchen wissen wir derzeit von 61 Bewerbern, die nicht vermittelt sind, denen wir aber neue Angebote unterbreiten können.“ Derzeit gäbe es im IHK-Bereich noch 43 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Auch Egbert Streich, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West kann zum Ausbildungsmarkt gute Zahlen verbreiten. 2% mehr Verträge habe die Kreishandwerkerschaft verzeichnet. „Vor allem aber ist es uns gelungen, die Zahl der Auszubildenden zu steigern, weil es viel weniger Abbrüche gibt“, so Streich.

Die Arbeitsmarkt-Experten sind sich sicher, dass sich der Ausbildungsmarkt im Zuge des demografischen Wandels nicht selbst regulieren wird. „Nur weil weniger Menschen da sind, heißt es nicht, dass alle eine Ausbildungsstelle bekommen“, so Tymister.

Felix zur Nieden



Kommentare
Aus dem Ressort
Altersarmut steigt auch in Gelsenkirchen
Soziales
Es war eines der Schwerpunktthemen der Fachtage der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW (LaS): Die steigende Altersarmut in Deutschland. Ein möglicher Ansatzpunkt für eine Besserung der Situation der Betroffenen ist das bürgerschaftliche Engagement.
Feierabendmarkt in der Neustadt bietet mehr als frische Ware
Premiere
In der Gelsenkirchener Neustadt sind Händler, Kunden und Organisatoren mit dem ersten Feierabend-Markt durchaus zufrieden. Jetzt geht’s um den dauerhaften Erfolg – und mehr Kreative, die dem Angebot eine junge, trendige, urbane Note geben sollen.
Protest im Gelsenkirchener Rathaus  - Soziale Dienste sind mehr wert
Personalversammlung
Der städtischer Personalrat in der Stadtverwaltung Gelsenkirchen hatte zur Personalversammlung eingeladen. Mitglieder kritisierten die chronische Unterbezahlung von Erziehern und die fehlende Entgeltordnung. Oberbürgermeister Frank Baranowski mahnte die finanzielle Ausstattung an.werden.
Augustinus öffnet Türchen und Fenster
Advent
Die traditionelle Adventsaktion in der Gelsenkirchener Altstadt bindet Kinder und Einrichtungen mit ein. Hinter den Adventfenstern verbergen sich gesungene und gesprochene Botschaften. Leitmotiv ist dieses Jahr das gelebte interkulturelle Miteinander.
Ein besseres Miteinander: Podiumsdisskion in Gelsenkirchen
Interreligiösität
Akzeptanz und Respekt vor einander und der jeweiligen Religion des Gegenüber: Mit diesem Thema stießen die Vertreter der muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinde auf offene Ohren im Berufskolleg für Technik und Gestaltung.
Umfrage
Letztes Jahr stimmte die Statik nicht, als der um einige Meter

Letztes Jahr stimmte die Statik nicht, als der um einige Meter "gewachsene" blau-weiße Kugelbaum auf dem Weihnachtsmarkt sicherheitshalber wieder abgebaut werden musste. Und dieses Jahr gibt's die nächste Panne: Trotz verstärktem Fundament geriet der Kunst-Baum in Schieflage und wurde ebenfalls direkt wieder demontiert. Wie 2013 wird er nun zunächst durch einen Naturbaum ersetzt. Wie finden Sie das?

 
Fotos und Videos
Schalke geht gegen Chelsea unter
Bildgalerie
Champions League
Kinder eröffnen Markt
Bildgalerie
Weihnachtsmarkt
Wenn der Bauch schmerzt
Bildgalerie
Medizinforum
Das tanzende Prinzenpaar
Bildgalerie
Karneval