Aufruhr mit Anlauf und ein langer Abschied

Manch’ Neuling im Rat übt sich ja vielleicht noch auf dem für ihn tiefgründigen Feld der Lokalpolitik und fremdelt mit parlamentarischen Gepflogenheiten. Oder er übt sich gleich im Schweigen (wie die Linken, von denen im Rat der Stadt nur selten etwas zu vernehmen ist). Doch Ali-Riza Akyol ist lang genug dabei, trat als OB-Kandidat an, war für die BIG schon 2009 Stadtverordneter und schaffte mit der WIN, der Wähler-Initiative NRW, 2014 erneut den Sprung in den Rat der Stadt. Akyol, meint man, sollte wissen, wie die Arbeit hier läuft. Doch er übt sich in einer besonderen Rolle – der des Quartals-Querulanten. Der Rausschmiss aus der Ratssitzung war diesmal die Folge.


Kopfschütteln auf manche von Akyols Äußerungen ist sonst eine der verhalteneren Reaktionen bei weiten Teilen der Stadtverordneten. Ähnlich stark reagiert die Politik mehrheitlich nur, wenn sich Kevin Hauer für Pro NRW aus der ganz rechten Ecke wagt und polemisiert. Donnerstag lieferte er mal wenig Zündstoff. Wie Jens Schäfer den Polit-Stil des WIN-Mannes wertet, war ihm allerdings nicht so recht anzusehen. Den einzigen Liberalen im Rat der Stadt zieht es bekanntlich in eine Fraktions-Gemeinschaft mit den beiden WIN-Vertretern. Gemeinsam will man mehr politisches Gewicht einbringen. Not verbindet, scheint hier die Devise. Mehr Geld gibt’s obenauf. Für manchen bei der FDP stößt die Verbindung mit der Ratsgruppe dennoch übel auf.
Im Nachklang zur Ratssitzung waren dann harmonischere Töne angesagt. Politik, Verwaltung und Feuerwehr verabschiedeten sich von Kämmerer Dr. Georg Lunemann. Der hatte seinen letzten Arbeitstag für die Stadt, nächste Woche tritt er in Münster als Erster Landesrat und Kämmerer des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe an. Mit auf den Weg bekam er seine Lieblingskekse, einen Feuerwehrhelm und auch, von den Grünen, ein Schalke-Monopoly, dazu warme Dankesworte und beste Wünsche. Die Botschaft: Wer den Gelsenkirchener Haushalt wuppt, den kann nichts mehr schocken...

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