Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 10°C
Neue Konzertreihe

Auf der Spur der jüdischen Seele

24.07.2009 | 18:35 Uhr
Auf der Spur der jüdischen Seele

Ab September präsentiert die Musikerin Maegie Koreen ihr neues Canson-Programm in der Gelsenkirchener Synagoge.

Chansonkonzerte gegen das Vergessen: Mit drei musikalischen Themenabenden in der neuen Synagoge an der Gildenstraße will die Musikerin Maegie Koreen an jüdische Interpreten und Komponisten erinnern. Chansons sind ihre große Leidenschaft – und immer wieder begegnet Koreen auf der Suche nach alten Klassikern den Melodien und Texten jüdischer Künstler. „Im Laufe der Jahre habe ich mir immer mehr Notizen zu den Lebensläufen der einzelnen Musiker gemacht. Darauf basiert nun mein neues Programm, das der Musik auch Anekdoten, Fotos, Dias und Auszüge aus den Biografien an die Seite stellt", erklärt sie.

Die Zuhörer sollen nach ihren Erinnerungs-Abenden mit neuen Erkenntnissen nach Hause gehen – im Mittelpunkt stehen jeweils die Menschen, die sich mit ihrer Musik (ohne es zu ahnen) selbst ein Denkmal schufen.

„Das waren Leute, die ganz normal am gesellschaftlichen Leben teilnahmen, die Menschen mit ihrer Musik begeisterten, bis sie eines Tages ausgegrenzt und vertrieben wurden", sagt Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, die sich über Maegie Koreens Engagement sehr freut: „Man kann eben nicht nur mit Gedenktafeln und Stolpersteinen an Menschen erinnern, sondern auch mit ihren Werken."

Maegie Koreen indes will ihre Zuhörer in verschiedene Welten entführen. Der erste Abend ihrer neuen Reihe steht am Mittwoch, 2. September, ab 19 Uhr, im Zeichen von „Wien – Tel Aviv – Caracas – Wien" und beschreibt das Leben der Chansonniere und Theaterleiterin Stella Kadmon, die 1931 in Wien gemeinsam mit Peter Hammerschlag ihr buntes Nummern-Brett'l „Der liebe Augustin" eröffnete, 1939 nach Palästina emigrierte und 1947 nach Wien zurückkehrte. Hammerschlag konnte sich bis 1942 in Wien versteckt halten, wurde dann ins KZ Auschwitz verschleppt und ermordet.

Auch Werke des Musiker-Duos Cissy Kraner und Hugo Wiener sowie des Kabarettautours Fritz Grünbaum und des Komponisten Georg Kreisler werden erklingen. Maegie Koreen wird gesanglich unterstützt von Pascal Valle´e, am Klavier sitzt – wie an allen drei Abenden – der Pianist Niclas Floer. Fortgesetzt wird die Reihe am 4. November ab 19 Uhr mit dem Programm „Die Zersägte Dame": Hier führt die Musik der Chansonniere Annemarie Hase und des Komponisten Friedrich Hollaender die Zuhörer von Berlin nach London und zurück. Gesangsgast ist Nina Tripp.

Am Mittwoch, 2. Dezember, führt die Reise von Deutschland nach Frankreich: Berlin, Paris und Marseille sind die Stationen. Gewidmet ist der Abend dem Komponisten Norbert Glanzberg, der 1931 in Berlin als Komponisten-Entdeckung der Saison galt, 1933 jedoch wegen seiner jüdischen Wurzeln nach Paris fliehen musste, wo er im Cafe´ Delta Klavier spielen musste, um sich sein Mittagessen zu verdienen. Bessere Zeiten begannen für ihn erst, als er 1941 gemeinsam mit Edith Piaf auf Tour ging. Für sie schrieb er unter anderem den Hit „Padam, Padam". Maegie Koreen wird an diesem Abend von Jennifer Labath und Pascal Vale´e unterstützt.

Anne Bolsmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/514368/create

Aktuelle Fotos und Videos
40 Jahre Maritim
Bildgalerie
Hotel
Eine echte Gaudi
Bildgalerie
Schützenfest
Drachenwetter auf Consol
Bildgalerie
Himmelsstürmer
Rock Hard in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
Aus dem Ressort
Vor 2021 wird Gelsenkirchen den Haushalt nicht ausgleichen
Stärkungspakt
Von 2014 bis 2018 wird die Stadt Gelsenkirchen jährlich gut 25 Millionen Euro zusätzlich aus Düsseldorf erhalten, dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sein Dank. Aber die Summe der Kassenkredite wird steigen, bis die Stadt es schafft, den Haushalt aus eigener Kraft auszugleichen – also nicht vor 2021.
Farfan im Visier - Einbrecherbande muss lange ins Gefängnis
Prozesse
Fleischgroßhändler und Weinlager hatten sie jahrelang leer geräumt, nun müssen sie mit karger Gefängniskost vorlieb nehmen. Das Landgericht Essen verurteilte vier Angeklagte aus Bottrop und Gelsenkirchen wegen schweren Bandendiebstahls in mehreren Fällen zu bis zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.