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Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane

14.01.2016 | 06:00 Uhr
Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
Im Erdgeschoss des Backsteinbaus sind die Fensterläden herunter gelassen, die Wohnungen im Obergeschoss scheinen unbewohnt zu sein. Gegenüber liegt das ehemalige alte Postamt.Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   21-jährige Sonja B. lebt ohne Wasser, ohne Heizung und ohne funktionierende Toilette in Gelsenkirchen. Dem Vermieter wurde ein Bußgeld angedroht.

Ungezählte Fälle hat Ernst Georg Tiefenbacher als Rechtsanwalt des Deutschen Mieterbundes schon bearbeitet – einer wie der von Sonja B. ist ihm in 40 Jahren aber noch nicht untergekommen. „Mein Eindruck: Hier ist jemand ausländerfeindlich und schikaniert seine Mieterin“, empört sich Tiefenbacher, der Strafanzeige erstattet hat.

Was die 21-jährige Albanerin Sonja B. drei Tage nach dem Einzug in die Buerer Straße am 13. November von Vermieterin Monika B. über sich ergehen lassen muss, das erzählt sie im Beisein ihrer Dolmetscherin Mercedes Alushaj, die sich unter anderem ehrenamtlich für die Tafel Gelsenkirchen engagiert.

Geld für Post und Eintritt

Am 16. November sei ihr das Wasser abgestellt worden, erzählt die ehemalige Geologiestudentin, deren Asylantrag derzeit bearbeitet wird. „Die Toilette funktioniert nicht, ebenso die Heizung. Als mich ein Verwandter aus Wuppertal besuchen wollte, musste ich sechs Euro Eintritt an die Vermieterin zahlen, für die Herausgabe meiner Post zehn Euro.“ Ihre Vermieterin versperre ihr zudem den Zugang zu den Mülltonnen. Duschen täte sie jetzt einmal in der Woche bei der Dolmetscherin, sie hat ihr auch einen „kleinen Heizlüfter zu Verfügung gestellt“, weil es eiskalt sei in der Wohnung. Ihre Notdurft verrichte sie unter den Umständen in Cafés und Restaurants.

Alushaj und Sonja B. beklagen zudem, dass die Stadt nur sehr langsam reagiere, mehrfach hätten sie beim Amt vorgesprochen oder sich schriftlich geäußert. Getan habe sich bislang aber nichts.

Stadt schickt Aufsicht

Bei der Stadt „ist der Fall seit Mitte Dezember aktenkundig“, wie Sprecher Oliver Schäfer mitteilt. Die Verwaltung betont, dass es sich um einen Einzelfall handele. Die Wohnumstände stufte der Sprecher als „nicht haltbar“ ein.

Und weiter: Im Gespräch zwischen einer Sachbearbeiterin der Stadt und Vermieterin Monika B. habe diese sich uneinsichtig gezeigt, das Eintrittsgeld bestätigt. Von den geschilderten Verhältnissen alarmiert, hat die Verwaltung reagiert und die Wohnungsaufsicht am Mittwoch zur Überprüfung zur Buerer Straße in Horst geschickt.

Das Ergebnis: Die Vorwürfe bezüglich Heizung, WC, Wasser und Müll treffen alle zu.

Die Folge: „Etwas mehr als 100 Euro Nebenkosten von der Stadt zu kassieren ohne eine Leistung zu erbringen“, sagt Stadtsprecher Schäfer, „erfüllt einen Straftatbestand.“ Die Stadt gehe von Vorsatz aus und hab der Vermieterin ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro angedroht, ein Zwangsgeld in Höhe von 3100 Euro könnte dem noch folgen. Monika B. muss nun die Mängel umgehend beheben. Auferlegt wurde ihr auch eine unmittelbare Erreichbarkeit.

Nummer unvollständig

Mit Monika B. ein Gespräch zu führen, könnte schwierig werden. Am Dienstag war sie daheim nicht anzutreffen, später bat sie am Telefon wegen eines „plötzliches Todesfalls“ um eine Vertagung auf Mittwoch. „Ich melde mich“. Tat sie nicht. Gestern folgte dann auf unsere Anrufe hin die elektronische Ansage, dass die Nummer unvollständig sei.

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Kommentare
14.01.2016
21:33
Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
von Michael.Doering | #25

Liebe WAZ,

die Veröffentlichung des Fotos geht gar nicht. Sie öffnen damit rechten und linken Gewalttätern Tür und Tor vor Ort aktiv zu werden. Die...
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4 Antworten
Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
von wonko4 | #25-1

"Das Verhalten der Mieterin geht genauso wenig wie das Verhalten der Straftäter von der Kölner Domplatte an Silvester."

Ist das ein Vertipper und Sie meinen die Vermieterin? Ansonsten wüsste ich doch gerne, was Sie der Mieterin vorwerfen?

Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
von Michael.Doering | #25-2

Danke an wonk04 für den Hinweis.

Es sollte lauten:
"Das Verhalten der Vermieterin geht genauso wenig wie das Verhalten der Straftäter von der Kölner Domplatte an Silvester."

Selbstverständlich war die Vermieterin gemeint und nicht die Mieterin - leider kann ich nicht mehr ändern und wäre der WAZ verbunden, wenn sie das für mich ändern würde.

Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
von FritzePfeiffer | #25-3

"Alle anständigen Menschen in diesem Land (und das ist die große Mehrzahl von Bürgern und Flüchtlingen) leiden alle unter den Mißständen.des staatlichen Versagens aller Parteienund der Presse. Das muss ein Ende haben,..."

Vielleicht möchten Sie den Artikel erneut lesen und dann übungshalber folgende Fragen beantworten:
* Wird das Wasser bezahlt?
* Erhält die Bewohnerin Wasser?
* Welches konkrete staatliche Versagen führt in diesem Fall dazu, dass zwar Wassergeld bezahlt wird, aber kein Wasser geliefert wird?

Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
von Michael.Doering | #25-4

Gerne nochmals für FritzePfeiffer gelesen:
"Einzug 13. November", "Wasser abgestellt am 16. November", usw., "der Stadt seit Mitte Dezember aktenkundig", "Wohnungaufsicht am Mittwoch (=13. Januar) zur Überprüfung ... geschickt".
Aufgabe für FritzePeiffer:
Was hätte da wohl besser laufen können?

Kleiner Tipp:
Nein, es hat auch niemand behauptet, der Staat hätte das Wasser abgedreht hätte ...

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Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
Asylbewerberin in Gelsenkirchen beklagt Vermieterschikane
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http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/asylbewerberin-in-gelsenkirchen-beklagt-vermieterschikane-id11460841.html
2016-01-14 06:00
Gelsenkirchen, Flüchtlinge, Asylbewerber, Wohnung, Schikane, Diskriminierung,
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