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Arbeitsgericht - Abschied vom alten Job für 4000 Euro und ein Stethoskop

20.05.2012 | 16:30 Uhr
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Arbeitsgericht - Abschied vom alten Job für 4000 Euro und ein Stethoskop

Gelsenkirchen.   Am Ende gibt es eine Einigung vor dem Arbeitsgericht. Eine Ärztin verabschiedet sich für 4000 Euro und ein Stethoskop von der alten Arbeitsstelle. Und so ging man schließlich einigermaßen friedlich auseinander.

Schon im März soll Ärztin S. an Patienten mit polnischem Hintergrund kleine handgeschriebene Zettel verteilt haben, dass sie bald nicht mehr in der Praxis von Allgemeinmedizinerin Dr. M.-G. an der Kronenstraße in Herne-Constantin, sondern in einer 18 Kilometer entfernt liegenden Allgemeinmedizin-Praxis an der Polsumer Straße in Hassel arbeiten werde.

Und zumindest einen dieser Zettel konnte Rechtsanwalt Friedrich Wolff jetzt der Kammer von Arbeitsrichterin Rohkämper-Malinowski in Herne präsentieren. Dort hatte Wolff Verfügungsklage gegen die von Anwalt Thomas vertretene Ärztin mit dem Ziel erhoben, unter Androhung von Schadensersatzforderungen jedwede Konkurrenztätigkeit zu unterlassen. Ärztin S. war vor gut einem Jahr bei Dr. M.-G. eingestiegen, wobei die Chefin 8000 Euro für einen sogenannten KV-Schein investiert hatte, um S. als Nachfolgerin eines aus Altersgründen ausgeschiedenen Kollegen in der Nachbarschaft einstellen zu können.

Und die neue Kollegin sorgte nach und nach auch dafür, dass nach Schätzungen von Rechtsanwalt Wolff 100 bis 150 neue Patienten in die Praxis kamen. Doch Anfang 2012 wurde S. in Buer aktiv und bewarb sich auf die Stelle eines verstorbenen Arztes in einer Dreierpraxis an der Polsumer Straße. Und der Wechsel kam schneller, als es der Herner Chefin lieb sein konnte. S. beantragte unbezahlten Urlaub, angeblich für eine Flugreise nach Malmö. Doch schon drei Tage später behandelte sie Patienten in Buer, darunter auch welche, die sie vorher in Herne behandelt hatte. Die ordentliche Kündigungsfrist lief eigentlich bis Ende Juni.

Angeblich mündlich gekündigt

Doch dazu ließ die abtrünnige Ärztin vortragen, ihre Chefin habe sie in einem Gespräch am 2. April mündlich fristlos gekündigt. Dieses Gespräch, so die Chefin, habe nie stattgefunden. Juristisch auch unwichtig, wie die Kammer die Parteien belehrte, denn mündliche Kündigungen sind im Gegensatz zu früher „unheilbar nichtig“. Also ein nach wie vor bestehendes Arbeitsverhältnis mit dem Haken, dass der Job mittlerweile woanders ausgeübt wird.

Folge man dem Verfügungsantrag der Chefin, müsse Ärztin S. zumindest bis Ende Juni an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren, so das Gericht. Das könne doch in einem so emotional aufgeladenen Verfahren niemand wollen. Und so ging man schließlich einigermaßen friedlich auseinander.

Die Ärztin, der schon 1300 Euro vom letzten Gehalt im März (3500 Euro brutto im Monat) abgezogen worden waren, zahlt noch weitere 4000 Euro in insgesamt 13 Monatsraten an ihre frühere Chefin „zum Ausgleich aller Gegenforderungen“. Die Raten deshalb, weil sie auch noch an den Vermieter einer früher von ihr geführten Praxis Mietrückstände in Raten zahlt. Dazu, und daran wäre der Vergleich fast noch gescheitert, rückt sie noch ein Stethoskop „mit schwarzen Schläuchen, einem Auflegepunkt Gold und mittigem roten Punkt“ heraus, von dem sie zunächst behauptet hatte, das es ihr gehöre. (AZ 1 Ga 10/12)

Von Helge Kondring

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