Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 8°C
Rufmord

Angeblicher Missbrauch - Rechter Mob stachelt Anwohner in Gelsenkirchen an

26.07.2013 | 17:31 Uhr
Angeblicher Missbrauch - Rechter Mob stachelt Anwohner in Gelsenkirchen an
Keine gute Stimmung gibt es zur Zeit am Eppmannsweg in Gelsenkirchen-Hassel.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.   Nachdem zwei Männer in Gelsenkirchen Kinder mit in ihre Wohnung nahmen, alarmierten Nachbarn die Polizei. Sie fürchteten einen Fall von Missbrauch, doch die Kinder fühlten sich weder bedroht noch belästigt. Trotzdem sehen sich die Männer seitdem einem aufgebrachten Mob gegenüber.

Was eine aufgebrachte Menschenmenge, dessen köchelnde Emotionen die rechte Szene noch perfide zu befeuern weiß, anrichten kann, das ist am Eppmannsweg in Hassel zu sehen: Farbschmierereien an der Hauswand, eine eingeworfene Scheibe einer Balkontür: Hier wurde der Kontakt zweier Männer – ein 59-Jähriger und dessen Stiefsohn (42) – zu einem Jungen (3) sowie einem Mädchen (10) aus der Nachbarschaft als Unwesen zweier angeblich vorbestrafter Sexualstraftäter per Mund-Propaganda aufgebauscht.

Kinder fühlten sich nicht bedroht

Indes, die Polizei findet keinerlei Verdachtsmomente. „Die beiden Kinder und ihre Eltern sind heute nochmals befragt worden, insbesondere die Kinder von einer Kriminalpsychologin“, sagte Karsten Plenker, er leitet die Ermittlungen. „Es finden sich keine Hinweise, die einen Verdacht erhärten würden. Die Kinder haben sich nie in ihrer persönlichen Freiheit bedroht oder belästigt gefühlt.“ Die Eltern hätten um den losen Kontakt im Vorfeld gewusst, so der Beamte weiter, und darin keinerlei Gefahr gesehen. Zudem seien beide Beschuldigten noch nie polizeilich in irgendeiner Form in Erscheinung getreten.

Eskaliert ist die Situation nach Angaben der Polizei am Mittwoch, als die beiden Kinder mit eisverschmierten Gesichtern in die gemeinsame Wohnung der Männer gingen. Dort wurden ihnen die Flecken aus dem Gesicht gewischt. Zeugen hatten darauf die Polizei alarmiert, die wenige Minuten später zur Stelle war.

Info
Befragung ergibt keinerlei Verdachtsmomente

Die Männer wurden ebenfalls vernommen. Bei ihrer Befragung haben die Polizeibeamten keinerlei Hinweise auf ein (Sexual-)Delikt bekommen. Am gestrigen Freitag wurden sie erneut verhört, ohne dass sich neue Verdachtsmomente ergeben hätten.

Die Polizei ermittelt weiter. Ob die Männer (Polizeischutz) in Hassel bleiben, ist ungewiss.

Danach schossen die Gerüchte ins Kraut. Karsten Plenker nennt auszugsweise: Stöckchenspiele (beim Aufheben unter den Rock sehen), angebliche Aussagen von ermittelnden Beamten im Gespräch mit einem der Männer, es mit Pädophilen zu tun zu haben („16 Jahre hatten wir Ruhe vor Dir, aber jetzt . . .“). „Die Fakten allerdings“, sagt Klaus Noske, „sehen völlig anders aus.“

Keiner der Vorwürfe sei zurzeit haltbar. Der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Gelsenkirchen und sein Kollege Norbert Langenberg – Leiter der Polizeiwache Nord und Einsatzleiter in dem Fall – warnten die Menschen rund um den Eppmannsweg eindringlich davor, voreilige Schlüsse zu ziehen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen: „Sachbeschädigung, Körperverletzung oder gar Selbstjustiz werden wir unter allen Umständen verhindern.“

Polizei mit starken Kräften vor Ort

Mittwoch versammelten sich 40 Personen vor dem Wohnhaus der beiden Männer, tags darauf waren es schon 150, darunter viele aus der rechten Szene. Die Polizei rechnet mit weiteren Aufläufen und wird deshalb weiter stark präsent sein.

Nikos Kimerlis



Aus dem Ressort
Mobile Kita und Familienbüro sind wegweisend
Bildung
Beim Bildungsforum des Regionalverbandes wurden 22 erfolgreiche Praxis-Beispiele zur frühkindlichen Bildung vorgestellt. Ziel des Forums ist, die Bildungsarbeit im Ruhrgebiet zu stärken, indem sich die Akteure untereinander austauschen, so RVR-Sprecherin Barbara Klask.
Patinnen und Paten unterstützen die Stadt
Spielplatzpaten
Oberbürgermeister Frank Baranowski zeichnete die alten und neuen Spielplatzpaten mit Urkunden aus. Zudem gab es Eintrittskarten für die Biathlon-Veranstaltung auf Schalke im Dezember 2014. Bisher ist es der Ehrenamtsagentur gelungen, 20 neue Patinnen und Paten für die Spielplätze zu gewinnen.
Attraktive Exponate aus dem Eigenbesitz des Kunstmuseums
Mysterien
Unter dem beredten Titel „Mysterien“ zeigt das Kunstmuseum Gelsenkirchen attraktive Exponate aus dem Eigenbesitz. Ein großer Teil der Arbeiten ist auch jenseits der Öffnungszeiten in den Schaufenstern des Museums zu sehen, dann nämlich rund um die Uhr.
Kunstmuseum widmet Künstler Kubiak Einzelschau
Museum
Die Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Uwe Kubiak sind bis auf den letzten Millimeter genau ausgeklügelt. Ab Sonntag, 26. Oktober, widmet das Kunstmuseum dem 1955 in Aachen geborenen Künstler eine Einzelschau.
Gelsenkirchener Schleifermeister warnt vor Betrügern
Kundenärger
Im Namen des Schleifermeisters Wolfgang Schulz sind offenbar Unbekannte unterwegs, die ihre Kunden mit Mond-Preisen und schlechter Arbeit prellen. Alles begann, als der Handwerker in Gelsenkirchen vor einigen Tagen Besuch von einem Mann bekam, der ein paar seiner Firmen-Visitenkarten mitnahm...
Umfrage

Geht es nach dem Willen der nordrhein-westfälischen Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK), dann sollen langjährige Empfänger von Hartz IV, die kaum noch Aussicht auf Rückkehr auf einen regulären Arbeitsplatz haben, als „Assistenten“ in Schulen, Kitas sowie Alt- und Pflegeheimen eingesetzt werden. Im Gegenzug werden ihre Sozialleistungen aufgestockt und künftig als „Gehalt“ gezahlt. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos