Am Sehnsuchtsort der Komponisten

Die Neue Philharmonie Westfalen begeisterte beim Sinfoniekonzert.
Die Neue Philharmonie Westfalen begeisterte beim Sinfoniekonzert.
Foto: FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.. Großartig, fraglos erstklassig war das, was Bernd Glemser, Elite-Pianist mit internationalen Referenzen, an exaltierter, indes hochkontrollierter Klavierartistik auf die Tasten des Flügels zauberte.

Mit stählernem Griff stürzte er sich in Franz Liszt Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 A-Dur. Liszt (1811-1886) hat mit dem Stück wahrlich Wundersames, für den unbedarften Zuhörer kaum Spielbares geschaffen. Technische Grenzen scheint es für Glemser nicht zu geben, er spielte die Partitur ohne Noten mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht und die ihre Wirkung nicht verfehlte.

Publikum konnte sich des „Aaah“-Sagens nicht erwehren

Die Dialoge zwischen Solocello und Klavier gestaltete der Pianist originell, leidenschaftlich und technisch grandios. Das Publikum konnte sich des „Aaah“-Sagens nicht erwehren, als der Klangkrimi immer teuflischer daherkam. In der Neuen Philharmonie Westfalen unter Leitung von GMD Rasmus Baumann hatte Glemser zu jeder Zeit einen kongenialen Partner, der sich nie aufdrängte, aber dennoch an den entscheidenden Stellen den Flügel perfekt ins Spiel brachte. Ovationen für den Pianisten und eine Zugabe.

Das Programm lehnte sich auf vielfältige Weise nach Ungarn. Zum Einstand erklang Zoltan Kodaly (1882-1967), der aus den Volkstänzen seiner ungarischen Heimat und dem Erbe von Bach und Bartok einen eigenen Stil formte, der bei den „Tänzen aus Galanta“ deutlich zu hören war. Ein äußerst subtiler Wechsel zwischen dem orchestralem Klangteppich und dem Solospiel der Bläser bedeutete gleichzeitig temperamentvolle Wechsel der Tempi. Ein Tanz-Meisterstück.

Ein begeistertes Publikum

Zum Ende des Abends stand das Konzert für Orchester Sz 116 des unglücklichen USA-Emigranten Bela Bartok (1881-1945). Während das Orchesterkonzert, das in seinem vierten Satz („Intermezzo interrotto“) mit der Verballhornung von „Dann geh ich zu Maxim“ aus der „Lustigen Witwe“ auch gern als knallige Unterhaltungsmusik aufgefasst wird, ließ die NPW noch viel vom musikalischen Erbe des alten Österreich-Ungarn hören. Der weiche Ansatz der Bläser, das warme und gerundete Klangbild des Orchesters gaben dem Stück eine reizvoll romantisierende Farbe. Ein begeistertes Publikum, Bravo-Rufe.

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