Alter Schwede, Gelsenkirchener spielen ganz großes Kino

Stilvoll: die Sektgläser mit dem bild des königlichen Brautpaars und den „Schwedenhappen“.
Stilvoll: die Sektgläser mit dem bild des königlichen Brautpaars und den „Schwedenhappen“.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Ein humoriger Freundeskreis mit Hang zum Royalen traf sich edel gewandet, um die Hochzeit des Schwedenprinzen im Fernsehen zu verfolgen ...

Gelsenkirchen.. Alter Schwede, sieht der Otto Ho-stadt (76) heute edel aus. Zylinder über dem weißen Wallehaar, weißes Hemd, Schal ala Jopi Heesters. Über die Sandalen an den nackten Füßen reden wir mal besser nicht. Damit wäre er in Stockholm nicht auf die Gästeliste gekommen. Egal, hier wird privat ganz großes (TV-)Kino gefeiert: die Hochzeit des Schwedenprinzen Carl Philip und seiner Sofia Hellqvist. Endlich mal wieder so richtig was für Herz und Auge.

Ein bisschen verrückt sein in dieser Welt, das sei doch voll in Ordnung. Otto Hostadt lacht. Außerdem – ein bisschen Monarch ist er ja auch, hätte gerne „einen jungen gut aussehenden König mit einer hübschen Frau“. Ja, ein bisschen Romantik muss schon sein.

Das gute Geschirr mit Goldrand auf dem Tisch

Gattin Marlis (76), in seidig fließendes, bodenlanges Kleid mit angenehmen Pastelltönen und schickem Hut gewandet, hat edel eingedeckt für die royale Feier unter guten Freunden. Das gute Geschirr mit Goldrand steht auf blauer Tischdecke. Die Krönung der feinen Kaffeetafel: eine original schwedische Mandeltorte mit schwedischer Flagge in Marzipan. Die Sektgläser fürs Stößchen auf das Glück des hübschen Carl Philip und seiner Süßen stehen bereit. Um Drei geht’s los. Glotze an, gucken, staunen, ablästern und bei Bedarf auch ein Tränchen abdrücken. Warum nicht, „wenns richtig schmalzvoll ist“. Und wieder lacht Otto Hohstadt herzhaft.

Für Freundin Christa Hirt (77), deren geerbter Edelzwirn in Schwarz alles andere in den Schatten stellt („Ich bin mit dem Taxi gekommen. Was meinen Sie, wie mich die Leute sonst angeguckt hätten!“), schließt sich beim Samstagsevent ein Kreis. Seit der Hochzeit von Carl Philips Mutter Sylvia hat sie jede royale Hochzeit im Fernsehen verfolgt, sie liest die bunten Blätter mit dem aktuellen Klatsch aus den Königshäusern und verschlingt Bücher mit Geschichten über die Welt der Blaublütigen.

Eine Königsguckerin nimmt’s sehr genau und kommt mit Koffer

„Die Frau Hirt ist ein bisschen schön bekloppt. Als Rheinländerin hat sie ja sowieso den Hang zum Verkleiden.“ Dem Kompliment des Gastgebers setzt die angesprochene noch eins drauf: „Ich war sogar schon mal Karnevalsprinzessin.“ Na bitte, passt doch!

Es klingelt. Die letzten Gäste der royalistischen Runde kommen. Hermi Schneider (77), Wolfgang Schellenbach (77) und Brigitte Leonardt, mit ihren 67 Lenzen das Nesthäkchen unter den Königsguckern. Sie trägt ein Goldkrönchen und verleiht dem Edeltreffen mit den blau-gelben Luftschlangen am Hals die eher lässige Eleganz. Dann packen Hostadts das Gastgeschenk von Freund Werner aus: ein Relief mit dem Konterfei Friedrichs des Großen und einem handschriftlichen Gruß des alten Fritz hinten drauf. Alter Schwede, herrlich schräg!

„Schwedenhappen“ und Schwärmerei

Nach der Kaffeetafel deckt Marlis Hostadt schnell neu ein: schwedische Gulaschsuppe, Käse, Krabben in Cognacsoße, Lachs mit Ei und Brot werden gereicht. Sie hat die typischen Schwedenhappen unter das Bild des Brautpaares geschrieben. Punkt 15 Uhr wird der Fernseher eingeschaltet. Es geht los. „Das ist aber auch ein hübscher Prinz.“ Nicht nur Christa Hirt und ihre Freunde geraten ins Schwärmen. Rund vier Millionen deutsche Fernsehzuschauer sitzen am Samstag ebenfalls vor laufender Glotze, verfolgen die Traumhochzeit, bestaunen die Gewänder der Reichen und Schönen aus den Königshäusern, passen auf, wer alles eingeladen wurde und wer fehlt. Bei Hostadts an der Von-Oven-Straße sitzt man fast bis Mitternacht zusammen. „Das war absolut Spitze und echt ergreifend“, sagt Marlis Hostadt.

Nach dem „Ja“ in Stockholm übernahm allerdings ein anderer das Regiment: König Fußball ...