Alte Urkunde wieder entblättert

Der Gelsenkirchener Buchbinder Dietmar Klein (r.)  hat in seinem Atelier auf dem Halfmannshof eine zusammengefaltete Urkunde zur Erweiterung des Marienhospitals Gelsenkirchen aus dem Jahre 1896 aufgearbeitet und der Geschäftsführung von St. Augustinus übergeben. Geschäftsführer Dr. Peter Weigarten (l.), Propst Manfred Paas und Hans Christian Atzpodien betrachten n das restaurierte Stück.
Der Gelsenkirchener Buchbinder Dietmar Klein (r.) hat in seinem Atelier auf dem Halfmannshof eine zusammengefaltete Urkunde zur Erweiterung des Marienhospitals Gelsenkirchen aus dem Jahre 1896 aufgearbeitet und der Geschäftsführung von St. Augustinus übergeben. Geschäftsführer Dr. Peter Weigarten (l.), Propst Manfred Paas und Hans Christian Atzpodien betrachten n das restaurierte Stück.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Buchbinder Dietmar Klein entfaltet das zusammengeklebte Pergament aus dem Jahre 1896.

Gelsenkirchen.. Am Anfang war es nur ein kleines, zusammengepapptes Stück Papier, nicht mehr auseinander zu falten. Das einzige, was seine Besitzer von der St. Augustinus-Gemeinde über dieses Papier wussten, war: Es handelte sich bei dem winzigen Päckchen aus braunem Pergamentpapier um die historische Gründungsurkunde für den Erweiterungsbau des Marien-Hospitals in Ückendorf aus dem Jahre 1896.

Doch wie das kostbare Blatt auseinander falten, ohne es zu zerstören? Zum Glück gibt es in der Stadt, genauer, in der Künstlersiedlung Halfmannshof, einen echten Experten in Sachen Papierbearbeitung. Buchbinder Dietmar Klein gelang es, in filigraner Feinarbeit mit einem Hauch von Feuchtigkeit den Papierbogen Stück für Stück zu öffnen, ohne ihn auch nur leicht zu beschädigen.

Urkunde kommt ins Archiv

Am gestrigen Mittwoch übergab Klein in seiner Werkstatt stolz und zufrieden die Urkunde an die St. Augustinus GmbH. Propst Manfred Paaß, Vorsitzender des Verwaltungs- und Aufsichtsrates, und Geschäftsführer Peter Weingarten freuten sich gleichermaßen, die historische und nun endlich wieder lesbare historische Urkunde in Händen halten zu können.

Mit schwarzer Feder handgeschrieben steht über der Urkunde: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Sie informiert über die Notwendigkeit des Neubaus, über den Architekten, über den Tag der Grundsteinlegung (9. Juli 1896) und über die Baukosten (100 000 Mark).

Damals wurde an den östlichen Gebäudeflügel entlang der Ringstraße ein neuer Flügel angebaut. Die Urkunde verrät auch, dass damals Papst Leo XIII regierte, dass Gelsenkirchen 31.635 Einwohner zählte, davon 18.121 katholisch. „Die Pflege der Kranken besorgen die armen Dienstmägde Christi aus dem Mutterhaus zu Dernbach.“ Bürgermeister war Wilhelm Vattmann. Dieses zeithistorische Dokument, für das der Buchbinder eigens eine schützende Schatulle schuf, geht nun ins Archiv des Marienhospitals.