Alles ist Lied
17.03.2010 | 20:50 Uhr 2010-03-17T20:50:00+0100
Gelsenkirchen. „Nous sommes amis“ – „Wir sind Freunde“: Die Refrain-Zeile aus einem Song des französischen Trios Lorlanj hatte etwas von einer europäischen Losung; mit den drei Wörtern ist die Atmosphäre beschrieben, von der am Dienstag Abend die Kaue bei der gut dreistündigen Ruhr-Chansonnale erfüllt war.
Die Musik der drei Multiinstrumentalisten aus der Region um Clermont-Ferrand wiederum machte bei diesem als Twins2010-Projekt angelegten Festival europäischer Liederpoeten deutlich, dass der Gattungsbegriff Chanson oft zu eng gefasst, gedeutet wird. In Deutschland wird gern die klassische Kleinkunst der 20er Jahre assoziiert, oder es fallen Namen wie Piaf, Brel, Brassens. Dabei gilt: Canzone, chanson, song – alles ist: Lied.
Im Falle von Lorlanj rückten rhythmische, metrische, harmonische Vielfalt und ein eher „chanson-untypisches“ Instrumentarium die Lieder in die Nähe eines „Urban Folk“, einer imaginären Metropolen-Folklore. Lorlanj gestatteten sich sogar ein Lied ohne Worte, sprich: Instrumental.
Auch die junge Linzer Sängerin Thessa Habeler, die von ihrem Vater auf der akustischen Gitarre begleitet wurde, scheute die Nähe zur Popularmusik nicht. Und das nicht nur wegen des Ulla-Meineke-Songs „Wenn zwei zueinander passen.“ Das war eigenwillig und eigenständig interpretierte Poesie, durchsetzt mit massiven Rock-Pop-Elementen und sogar einem Hauch von Hippie-Lagerfeuer-Romantik.
Pop-nahe, mit einem gehörigen Jazz-Anteil, präsentierte sich auch die junge Polin Natalia Stefanek, die zudem von einem Weltklasse-Bassisten begleitet wurde. Wie Grzegorz Kosinski auf seinem fünfsaitigen E-Bass improvisierte - ihn möchte man gern einmal als Partner von Renaud Garcia Fons erleben. Maegie Koreen,
Daneben gab es natürlich auch die „klassischen“ Spielarten: den russischen Barden Yurij Tsendrovsky aus Nishnij Nowgorod oder die lang aufgeschossene Polin Sonia Godoj, die mit erotisierend tiefem Timbre das Chanson-Theater nicht nur sang, sondern auch (Hot Pants, Netzstrümpfe, High Heels) verkörperte. Dass aus dem von Maegie Koreen erstellten und mit viel Charme präsentierten Chor fantastischer Liederpoeten aus Partnerstädten von Gelsenkirchen, Hagen, Bottrop, Gladbeck im Bereich „klassisches Chanson“ zwei deutsche Interpreten (Pascal Vallée, Jennifer Labath) herausragten, sollte nicht unerwähnt bleiben.
Ob man den Abend, wenigstens in Auszügen, einmal auf CD hören und nacherleben darf?
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