Allein unter Männern
20.06.2007 | 08:36 Uhr 2007-06-20T08:36:37+020039-Jährige war in ihrem Beruf von Anfang an die Exotin. Aber schon als Kind fühlte sich die junge Frau der Technik verschrieben. Prüfung mit sehr gut bestanden
Zimperlich durfte Angelika Nigbur nicht sein. Ihre Kollegin damals auch nicht. Sie hätten sonst kein Bein an die Erde gekriegt, blickt die heute 39-Jährige auf ihre Lehrzeit zurück - nicht im Zorn. Angelika Nigbur hat einen Beruf erlernt, in dem man Frauen immer noch mit der Lupe suchen muss: Energieanlagenelektronikerin bei Opel in Bochum. Das ist jetzt 23 Jahre her.
Angelika Nigbur reichte das nicht. Sie arbeitete und lernte weiter und hat nun sogar einen Titel: den der staatlich geprüften Technikerin. Im Berufskolleg für Technik und Gestaltung an der Overwegstraße ließ sie sich theoretisch ausbilden, dort bestand sie am 14. Juni die Abschlussprüfung mit sehr gut - als Beste der gesamten Prüfung, an der natürlich überwiegend Männer teilnahmen. Gestern Vormittag bekam sie ihr Zeugnis, Schulleiter Franz-Josef Gertz überreichte es ihr.
"Ein tolles Zeugnis", wie er bemerkte: elfmal sehr gut und sechsmal gut. Für "besonders ehrgeizig" hält sich Angelika Nigbur allerdings nicht, wie sie sagt. Dafür aber hatte sie eine "ungeheuere Prüfungsangst", das gestand die 39-Jährige gestern frank und frei: "Bei der ersten Klausur sind mir die Nerven durchgegangen." Wie das aussah? Angelika Nigbur outet sich: "Ich hatte eine totale Blockade, mein Kopf war vollkommen leer."
Mit dem Hauptschulabschluss mit Fachoberschulreife in der Tasche begann die gebürtige Bochumerin 1984 ihre Lehre im technischen Bereich bei Opel in ihrer Heimatstadt - zusammen mit 58 jungen Männern und noch einer jungen Frau. "Nur die großen Unternehmen", erinnert sich Nigbur, "gaben jungen Mädchen damals überhaupt die Chance auf eine Ausbildung in einem typischen Männerberuf." Alle anderen Bewerbungen seien mit Verweis auf fehlende sanitäre Einrichtungen für Frauen "abgeschmettert" worden.
Dabei hatte sie schon als Kind großes Interesse an der Technik - vielleicht vom Vater geerbt und vom "großen" Bruder übernommen. "Wenn mein Vater an seinem Auto schraubte, war ich dabei", erzählt sie. Mit Puppen zu spielen, habe ihr "nicht so gelegen". Vier Jahre hat sie bei Opel gelernt: zwei Jahre als angehende Elektrikerin, zwei Jahre als angehende Elektronikerin. Wie andere "Stifte" auch, wurde sie alle sechs bis acht Wochen in eine andere Werkstatt versetzt.
Aber: Eines Tages war - wie man so sagt - "aus der Traum". Aus gesundheitlichen Gründen musste die Facharbeiterin Nigbur zunächst eine Zeitlang aussetzen, dann sogar umschulen. Die jetzt 39-Jährige wurde technische Zeichnerin mit der Fachrichtung Elektrotechnik. Beim Berufsförderungswerk in Dortmund fand die Umschulung statt. Zwei Jahre zuvor hatte sie sich bereits für eine Weiterbildung entschieden und sich für einen Abendkurs an der Fachschule für Technik am Gelsenkirchener Berufskolleg für Technik und Gestaltung (BTG) eingeschrieben. Sie wollte staatlich geprüfte Technikerin werden.
"Auch hier war sie wieder einmal die Exotin", resümiert Gertz. Und: Weil es schon früher keinen Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss gab, bekam sie auch schon zum 1. Juni eine feste Anstellung: als Technikerin mit Schwerpunkt Projektierung und Dokumentation von Maschinenanlagen in einem Ingenieurbüro. dju
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