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Ärger und Hoffnung am "Loch"

29.09.2008 | 19:15 Uhr
Ärger und Hoffnung am "Loch"

Von Oliver Schmeer und Tina Bucek Mit direkten Blick aufs umstrittene „Loch” ging's gestern zur Sache, als das WAZ-Redaktionsmobil am Heinrich-König-Platz vorfuhr. Meinung war gefragt, ob ein „Deckel” das Richtige ist, um den Platz umzugestalten und zu beleben.

Oder bleibt dann nur eine weitere tote Ecke? Und Meinungen gab es satt. Meist freilich kritische von Anliegern. Zunächst, so ist der Stand der Dinge: Nach den ersten Machbarkeitsstudien im vergangenen Jahr und Grundsatzbeschlüssen zur Umgestaltung des Heinrich-König-Platzes laufen nun die Vorbereitungen für einen europaweit auszuschreibenden Gestaltungswettbewerb, an dem sich im Frühjahr 2009 rund 30 Architektenbüros werden beteiligen können. Rund 6,7 Millionen Euro plus 500 000 Euro soll die Umgestaltung des Platzes kosten. Baubeginn soll nach Fertigstellung des Hans-Sachs-Hauses sein, also wohl 2011. Die grobe Idee der Stadtplaner: Auf die Verteilerebene soll ein Deckel, um einen großflächigen, vielseitig nutzbaren Platz im Herzen der Stadt zu schaffen, der bislang eher soziale Problemzone ist. Bauliche Barrieren sollen dadurch fallen, neue Laufwege möglich werden. Dazu sollen auch die Pavillons abgerissen werden. Unter dem Deckel soll es eine verkleinerte, modern und hell gestaltete Zugangsebene zur Stadtbahn geben, der Rest soll mit Sand verfüllt werden. Aufzügen sollen hinunter führen, dazu gibt es zwei Zugängen, den bisherigen von der Ebertstraße kommend und ein neuer aus der Laufrichtung Bahnhofstraße. „Das wird ein offener Prozess”, betont Stephan Kemper vom Stadtumbaubüro. Achim Kaufmann, Sprecher der Interessensgemeinschaft Kirchviertel, macht am Redaktionsmobil aber klar: „Wir wollen keinen Deckel. Wir wollen auch keinen Abriss der Pavillons.” Einige tausend Unterschriften hat die Initiative schon gesammelt. „Das Loch wird doch gar nicht mehr als Schandfleck wahrgenommen. Die Angsträume sind weg”, verweist Kaufmann darauf, dass es geholfen hat, dass die Stadt – endlich – den Platz pflegt, Gestrüpp weggeschnitten und dunkle Ecken zugemauert hat. Auch die Kontrolle des Kommunalen Ordnungsdienstes hätten gefruchtet. Und ohnehin: Die Stadt verplempert da nur Millionen, ist am WAZ-Mobil immer wieder zu hören. Die in der Interessensgemeinschaft zusammengeschlossenen Anlieger und Händler fürchten zudem um ihre Zukunft, wenn der weitläufige Platz ihnen die Laufwege an ihren Geschäften wegnimmt. Mit Argwohn schauen sie dabei vor allem auf die Bahnhofstraße. „Dorthin soll doch die Kaufkraft abgezogen werden”, mutmaßt Alfred Kuczenski, dessen Frau einen Modeladen in einem der Pavillons führt. Dabei gebe es hier rund um den Platz noch die wenigen verbliebenen inhabergeführten Geschäfte in der Innenstadt. Vorwurf zudem an die Stadt: Die wolle ihre Pläne durchziehen: „Die Informationen an uns flossen doch wie beim Ochsen die Milch”, erbost sich Kuczenski. Doch es gibt auch andere Stimmen. Hoffnungsvolle, wie die von Fatih Albayrak: „Gelsenkirchen hat mit dem Heinrich-König-Platz so, wie er ist, ein Problem. Er sieht nicht schön aus, er verbaut Zugänge, er ist Gefahren- und Problemzone”, sagt der Vater von drei Kindern, der selbst schon lange nicht mehr in der City einkaufen geht. „Ich bin ja dafür, dass die Pavillons erhalten bleiben, und auch das Café Meissner. Aber der Deckel muss trotzdem her.” Nur dann, sagt Albayrak, könne man womöglich erreichen, dass auch die Bahnhofstraße wieder aufgewertet würde, sich in Gelsenkirchen vielleicht auch wieder „andere Geschäfte als nur Billigläden” ansiedeln würden.

red

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