WAZ-Serie "Der besondere Garten" (2) : Ein kleiner Dschungel

Tomas Grohe´ verwandelte einen Lagerbetrieb in eine urbane Wildnis. Mit vielen Pflanzen aus Süd-Europa
„Probier's mal mit Gemütlichkeit/mit Ruhe und Gemütlichkeit/ jagst du den Alltag und die Sorgen weg”
(Balu aus dem „Dschungelbuch”)
Gemächlich streift Balu durch den Dschungel. Vorbei an einem Tümpel, vorbei an wildem Wein und vorbei an einer Fächerpalme. Fremde begrüßt er in seinem Revier mit lautem Bellen. Mit Bellen? Ja, genau, denn Balu ist ein Hund, ein Mischling. Und der Dschungel ist der 200 Quadratmeter große Garten seines Herrchens. Tomas Grohe´ ist stolz auf seine urbane Wildnis. Seit er und seine Familie das ehemalige Lagergebäude eines Baustoffhandels übernommen und ausgebaut haben, hat sich der Auslieferungshof mit der Laderampe in einen kleinen Dschungel verwandelt.
Die Fächerpalme hat Grohe´ als Setzling aus einem Wald am Lago Maggiore importiert. „Noch zehn Jahre, dann können wir unter Palmen sitzen”, blickt der studierte Landespfleger in die Zukunft. Der gegenüberliegende Feigenbaum stammt wie viele andere Pflanzen im Hof auch aus der Toskana. „Meine Eltern hatten dort 30 Jahre lang ein Haus mit einem vier Hektar großen Olivenhain”, erklärt Grohe´. Der Hibiskus in der rückseitigen Einfahrt allerdings stammt aus dem französischen Loire-Tal und ist ein Mitbringsel der Schwester, genau wie der schwarzstielige Bambus.
Thomas Grohé hat in der Markenstraße 14 in Gelsenkirchen Horst einen schönen Garten im Hinterhof gestaltet WAZ-Bild: Franz Meinert 10.6.2009
Foto: WAZ
Im Schatten eines Walnussbaums steht die Weinlaube, deren Dach noch nicht ganz geschlossen ist und Lücken aufweist. Champion heißt die Weinsorte, die bei der letzten Ernte zehn Gläser Gelee hervorbrachte. „Sehr herb, aber sehr gut”, lautet das Fazit des Dschungelherren. Überhaupt gibt es viel Essbares im Grohe´-Garten. Die Kastanie Sativa etwa ist eine „typische Esskastanie”. Außerdem gibt es einen Zitronenbaum, einen Lorbeerstrauch, schwarze Johannisbeeren, süße Kirschen und eine Apfelquitte: „Sehr hartes Fleisch, aber man Quittenbrot daraus machen.”
In dem Teich, der sich unterhalb eines Holzbalkon-Anbaus befindet, tummeln sich ein Koi und Goldfische. Vier verschiedene Sorten Pfefferminz gedeihen am Ufer. „Die Ernte bringt nicht viel, aber wir haben immer genug für die erste Hälfte des Winters, um Tee zu machen”, sagt er. Neben der Minze wachsen gelbe, blaue und violette Wasserlilien, Schachtelhalm, Wasserhahnenfuss, Frauenfarn und Froschlöffel. Auch Teichrosen und Rohrkolben.
Der Teich ist Teil einer Regenwasseranlage, die vom komplett bepflanzten Dach aus gespeist wird. Sedum wächst hier oben – „klassische Vegetation für Gründächer”. Auch jede Menge Gräser haben sich breit gemacht, alles was so anfliegt eben, sagt Grohe´. „Einzig Bäume nehme ich raus. Die haben zu aggressive Wurzeln”, denkt er an sein Dach. Der friedliche Balu hat es sich unter einer Glyzinie gemütlich gemacht.














