24-jähriger Angeklagter sagt: „Ich musste das machen“

„Ich musste das machen“, sagt der 24-jährige Angeklagte. Er „musste“ als Kurierfahrer in Gelsenkirchen Marihuana an Endverbraucher ausliefern. 20 Fälle wirft die Anklage der VI. Essener Strafkammer ihm vor.

Er „ musste“ in einem Gelsenkirchener Unternehmen mit Mittätern Kupfer klauen im Wert von mehreren tausend Euro. Laut Anklage gab es fünf Einbrüche.

Er „musste“ am 16. Januar vergangenen Jahres mit anderen Beteiligten einen Mann in seiner Wohnung an der Wanner Straße überfallen, ihm Geld, Marihuana und Gegenstände aus dessen kleiner Keller-Marihuana- Plantage mitgehen lassen.

Der ehemalige Gelsenkirchener hat die Stadt inzwischen verlassen. „Das war kein Leben mehr“, sagte er zum Prozessauftakt. „Da bin ich abgehauen.“ Denn hinter allem steckten, so erklärt er, Mitglieder einer libanesischen Großfamilie, die ihn unter Druck gesetzt hätten.

Mit dem Kurierdienst fing es an, berichtet der Angeklagte. „Irgendwann brachte ich nicht mehr genug Geld“, schildert er weiter, da habe er „Kupfer klauen gehen müssen“.

Ein 27-Jähriger aus der Großfamilie kommt als Zeuge. Er ist zweimal beim Kupferklau dabei gewesen und dafür schon rechtskräftig verurteilt. Der Angeklagte, mit dem er oft abgehangen habe, soll ihn für den Job ins Boot geholt haben, behauptet er.

Einmal habe es für ihn 1800 Euro dafür gegeben. Was denn seine Aufgabe bei der Sache gewesen sei, möchte Verteidiger Timo Scharrmann wissen. Der Zeuge zögert. Dann fällt es ihm ein: „ Wir waren dabei. Große Schnauze und so!“ Da staunt Scharrmann sehr: „Und dafür gab es 1800 Euro?“

Der Prozess wird fortgesetzt.