23 neue Sprach- und Integrationslotsen in Gelsenkirchen

Die AWO in Gelsenkirchen hat zusammen mit der Diakonie 23 Sprach- und Integrationslotsen mit bulgarischen, türkischen und „romanen“ Sprach- und Kulturkenntnissen ausgebildet.
Die AWO in Gelsenkirchen hat zusammen mit der Diakonie 23 Sprach- und Integrationslotsen mit bulgarischen, türkischen und „romanen“ Sprach- und Kulturkenntnissen ausgebildet.
Foto: WAZ FotoPool
23 Sprach- und Integrationslotsen wurden jetzt in Gelsenkirchen von der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie ausgebildet. Die Ehrenamtler helfen neu Zugezogenen, sich zurecht zu finden und weisen auf Rechte und Pflichten hin.

Gelsenkirchen.. Der Bedarf sei groß. Umso erfreuter war Admir Bulic, Leiter des Projekts „EU-Neuzuwanderung – aufsuchende Sozialberatung“, über den Zuspruch für eine Fortbildung: 23 Gelsenkirchener mit bulgarischen, rumänischen, türkischen und „romanesischen“ Kulturkenntnissen ließen sich zum Sprach- und Integrationslotsen ausbilden.

Regelmäßige Hausbesuche

Anlässlich der Kooperation von Arbeiterwohlfahrt und Diakonie, suchen Bulic und drei weitere Vollzeitkräfte regelmäßig Wohnhäuser auf, in denen Familien neu zugezogen. „Dort ist Vieles noch nicht geregelt“, weiß Sozialarbeiter Bulic. Vor Ort habe er die Lotsen für die Schulung gewonnen, um „Betroffene zu Beteiligten zu machen“. Die Lotsen sollen Zuwanderern Möglichkeiten aufzeigen, sich zu integrieren, aber auch Regeln vermitteln. Dies fange bei alltäglichen Dingen wie der Entsorgung von Müll oder der Beschriftung des Klingelschildes an und höre bei Behördengängen auf. „Die Teilnehmer haben schnell Fuß gefasst und wollen jetzt anderen helfen.“ Auch Freiwillige ohne Migrationshintergrund ließen sich ausbilden.

An vier Freitagen kamen die Lotsen im Internationalen Migrantenzentrum Paulstraße zusammen, um ihr Ehrenamt kennenzulernen und mit Inhalten versorgt zu werden: Welche Angebote haben Wohlfahrtsverbände? Wie funktioniert die Stadtverwaltung? Was leisten Bürgercenter und Jugendamt? Wie geht Migrantenselbstorganisation? Diese und andere Fragen bekamen die Teilnehmer in Gruppen von den Verantwortlichen beantwortet. Mitarbeiter des Bürgercenters, des Sozialdienstes, des Kommunalen Integrationszentrums, aber auch von Gelsendienste stellten ihre Arbeit vor. Am letzten Schulungstag stellte Dagmar Eckart, städtische Vertreterin der Koordinierungsstelle kommunale Prävention, das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ mit verschiedenen Präventions- und Beratungsangeboten vor. „Wir haben ein besonderes Interesse, dieser Zielgruppe das Thema näher zu bringen.“ Einige der Lotsen kommen nämlich an Schulen zum Einsatz.

Das Team der Sozialberatung agiert als Bindeglied zwischen Behörden und Zuwanderern. Die Lotsen sollen eine Brückenfunktion einnehmen, Informationen weitergeben und als Kontaktpersonen dienen. „Wir hatten viel mehr Interessenten als freie Plätze“, staunt Admir Bulic. Die nächste Fortbildung zum Integrationslotsen sei so gut wie ausgebucht. Die Teilnehmer bekamen ein Zertifikat und als Dank eine Rose von AWO-Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski und Gelsenkirchens Sozialdezernentin Karin Welge überreicht.

Fast allein unter Frauen

Fast allein unter Frauen war Danail Veselinov, die meisten Integrationslotsen sind Frauen. Der 25-Jährige ist als Schulbegleiter seit Anfang 2014 im Einsatz und spricht Bulgarisch, Türkisch und Deutsch. Zwischen 2005 und 2007 hat Danail Veselinov in Deutschland gelebt und in der Schule die Sprache gelernt. Danach ging er zurück in seine Heimat Bulgarien. Seit einigen Monaten ist er wieder in Deutschland und engagiert sich an der Hauptschule am Dahlbusch und an der Realschule Mühlenstraße als Schulbegleiter. „Ich kümmere mich um Probleme, die Schüler aus Einwandererfamilien haben und bin in den 5. bis 10. Klassen im Einsatz“, beschrieb Veselinov sein Tätigkeitsfeld. Oft sei er als Übersetzer gefragt. Manchmal gehe es nur um die Organisation eines Schülertickets für den Bus, ein anderes mal regelt er Probleme mit Mitschülern. Auch Prügeleien seien leider dabei. Veselinov will als Integrationslotse helfen, die kulturellen Barrieren zu überwinden.