Zehn Hauptschüler schreiben gemeinsam ein Buch

Sarah Meyer Dietrich schreibt mit Gelsenkirchener Jugendlichen von der Hauptschule Eppmansweg ein Buch.
Sarah Meyer Dietrich schreibt mit Gelsenkirchener Jugendlichen von der Hauptschule Eppmansweg ein Buch.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Projektleiterin Sarah Meyer-Dietrich entwickelte mit zehn Schülern der Hauptschule Eppmannsweg einen Ruhrgebietsroman. Bevor es an das Schreiben ging, standen Exkursionen und Recherchen im Mittelpunkt. Entstand ist eine spannende Geschichte vom „Erbe der Flussgeister“.

Das hätten sich die Väter der Emscher-Renaturierung wohl auch nicht träumen lassen: dass die Umgestaltung der einstigen „Köttelbecke“ zum naturnahen Flusssystem eine Wasserfee zum Leben erweckt. Natürlich eine mit krimineller Vergangenheit, wie es sich eben für die Figur eines Ruhrgebietsromans gehört. „Das Erbe der Flussgeister“ heißt der Arbeitstitel dieses Buches, dessen erster Teil gerade in Buer unter der Regie von Projektleiterin Sarah Meyer-Dietrich entstanden ist. Mit-Autoren sind zehn Hauptschüler vom Eppmannsweg in Hassel.

Die Galerie „werkstatt“ an der Hagenstraße wurde für drei Tage zur Schreibwerkstatt: Dort brüteten die 15- bis 17-Jährigen an Laptops über dem Anfang des Romans. „Den Plot haben wir gemeinsam entwickelt, nachdem wir die Zeche Consolidation, das Consoltheater und den Sellmannsbach besucht haben“, erläuterte Sarah Meyer-Dietrich, Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW, der das Buchprojekt gemeinsam mit der Emschergenossenschaft verantwortet.

Exkursionen zu Industriestandorten

Warum die Exkursionen gerade zu einstigen Industriestandorten und einem Nebenlauf der Emscher führten? „Sie sind Teil des kulturellen Erbes der Region und Handlungsorte des Romans; davon wollten wir uns inspirieren lassen.“ Es funktionierte: Die Ideen explodierten geradezu. Heraus kamen drei Handlungsstränge um den jungen, arbeits- und orientierungslosen Lukas, der dem Geist seines 1835 ermordeten Vorfahren begegnet. Jener Bergmann hatte damals herausgefunden, wie sich Kohle aus tieferen Schichten fördern lässt, konnte seine Pläne aber nicht mehr umsetzen. Seine Mörderin, Bernefee Amalia, erwacht ebenfalls 2015 in Gelsenkirchen, um Emscher und Verwandte vor der vermeintlich zerstörerischen Renaturierung zu schützen.

Nachdem die Schüler die Zuständigkeit für die Figuren untereinander verteilt hatten, machten sie sich daran, die Szenen zu verfassen. „Ich find’s toll, dass ich meiner Fantasie freien Lauf lassen und meine Jugendsprache einbringen kann“, meinte Dominik Kalinowski (16). Azime Gül Özcan (17) genoss es derweil, ihren Spaß am Schreiben – „zu Hause sind es meist Liebesgedichte“ – mal anders auszuleben.

Egal ab gruselig, spannend, romantisch oder witzig

Da alle zur selben Zeit am selben Ort schrieben, konnten sie Einzelheiten miteinander abstimmen. „Jeder durfte selbst entscheiden, ob er die Sache eher gruselig, romantisch, spannend oder witzig anging. Von diesem Stilwechsel profitiert am Ende das Gesamtprojekt“, so Sarah Meyer-Dietrich, die von Autor und „werkstatt“-Leiter Sascha Pranschke bei der Betreuung der Schüler unterstützt wurde.

„Hier kann ich viele von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen einfließen lassen“, mochte Azime kein großes Aufhebens davon machen, ebenso wenig wie Dominik. Welche genau das sind? „Das möchte ich hier nicht sagen“, gab er sich zurückhaltend. Etwas Geheimnisvolles muss offenbar auch ein Nachwuchs-Autor haben.