Wilhelm Schroer steht als Unikum beim Umzug auf dem Balkon

Seit 40 Jahren steht Wilhelm Schroer immer am Rosenmontag auf seinem Balkon und unterhält das Zug-Publikum.
Seit 40 Jahren steht Wilhelm Schroer immer am Rosenmontag auf seinem Balkon und unterhält das Zug-Publikum.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Wenn der Zug über die Cranger Straße zieht, dann ist auch Wilhelm Schroer dabei. Seit 40 Jahren steht er auf seinem Balkon, um die Zuschauer mit Musik und Worten zu unterhalten und die Karnevalisten auf ihren Festwagen zu begrüßen.

Gelsenkirchen-Erle.. „Früher, da war hier die Bude voll. Jeder hat was mitgebracht, alle waren verkleidet. Aber seit der Zug so kurz ist, lohnt das ja fast nicht mehr“, meint Wilhelm Schroer. Er steht auf seinem Balkon an der Cranger Straße, wo er im 40. Jahr mit Musik und Mikro bereit steht, auf das närrische Spektakel zu reagieren.

„Ming eetste Fründin“ erklingt es aus den Lautsprechern. Die Kabel führen ins Wohnzimmer, zum alten Plattenspieler. Der spielt ein Album der „Bläck Fööss“ ab. Das hat schon Seltenheitswert. So wie Wilhelm Schroer selbst auch. Er ist ein echtes Unikum, ebenso jeck wie königsblau. Und gerne erzählt er von früher. „Wir haben schon immer groß Karneval gefeiert. Manchmal war das hier so voll, da haben sich die Männer auf das Vordach gesetzt.“ Der Karneval liege dem 74-Jährigen quasi im Blut, meint er. „Ich bin in Rotthausen geboren. Das gehörte früher zum Rheinland – also bin ich Rheinländer.“

Es ist zehn Minuten vor drei. „Jetzt kommt der Zug. Aber der ist gleich schon wieder weg“, spricht Wilhelm Schroer ins Mikro. Das hält er in der rechten Hand, in der linken eine Flasche Bier. Der Jeck bereitet sich auf ein paar fluffige Sprüche vor. Letzte Recherche: „Wie heißt noch mal die Stadtprinzessin? Anja?“

Ein dreifaches Helau für Wilhelm Schroer

Karneval 2015 Unten fährt der Wagen der „Jecken vom Pütt“ vorbei. Deren Wurfmaterial verpasst den Balkon nur knapp. Dafür gibt es ein dreifaches Helau. Wilhelm Schroer greift zu seinem Wurfmaterial – alles Fan-Utensilien von Schalke – und bringt es unter die Leute. Schalke, das ist seine eigentliche Leidenschaft. Schon in der Glückaufkampfbahn war er als Sanitäter unterwegs, später dann im Parkstadion. Unvergessliche Augenblicke: „Ich hab im Parkstadion im Innenraum das Sagen gehabt. Ich hab mit den Stones nach deren Konzert ein Glas Sekt getrunken.“

Auf dem Wagen der KG Piccolo wird gesungen „Mer losse d’r Dom in Kölle“. Das kann auch Wilhelm Schroer und singt kräftig und lautstark durch sein Mikro mit. Er ist in guter Stimmung und fieberte diesen Moment schon tagelang entgegen. „Ich hab’s noch nicht einmal geschafft, mich heute zu rasieren“, lacht er.

Nicht immer nur Zaungast sein

Der Anwohner der Cranger Straße ist ein Unikum, bei den großen Gesellschaften gut bekannt. Deswegen gibt es vom Wagen der Erler Funken auch einen besonderen, persönlichen Gruß Richtung Balkon. Das freut Wilhelm Schroer, der gleich antwortet. Bis gerade schwächelte er etwas. Jetzt aber stimmt die Motivation wieder. Die Sprüche werden flotter. „Und hoch das Bein“, ruft er der Garde der KG Narrenzunft zu. Doch die schauen nur etwas irritiert. Gleich, erzählt Wilhelm Schroer, werde er sich auch ins Getümmel stürzen. Seine Kinder seien auf der Cranger Straße unterwegs. Da wolle er hin. Denn immer nur Zaungast sein beim Zug, das sei auch nichts.